Vor der Anschaffung eines Autos besteht für jeden Menschen grundsätzlich ein Informationsbedarf. Einige Interessenten werden vor dem geplanten Autokauf die Prospekte eines bestimmten Autoherstellers mit Preislisten studieren und werden ihre Kaufentscheidung vom Fabrikat und dem Symbol an der Kühlerhaube abhängig machen und dann aus dem Angebot dieses Herstellers das Auto wählen, das ihnen von der Optik oder auch vom Raumangebot gefällt und für sie bezahlbar ist.
Andere werden weiter suchen, sich vielleicht über technische Details informieren, werden Pannen-Statistiken lesen und nach Berichten suchen, in denen aufgelistet wird, welche Fahrzeuge die TÜV-Prüfungen als "Mängel-Zwerge" schaffen.
Für manche reicht auch das nicht aus, sie werden sich nach Werkstattpreisen für Inspektionen, typische Reparaturen und Ersatzteile erkundigen und vielleicht auch bei der Versicherung nachfragen, in welcher "Typklasse" das ins Auge gefasste Fahrzeug eingestuft ist. Auch die vorgegebenen Inspektionsintervalle können wie der Bezinverbrauch mit kaufentscheidend sein.
Es werden Erkundigungen eingezogen, welche Händler und Werkstätten für diese oder jene Automarke im näheren Wohnumfeld zu finden sind und einige werden mit spitzem Bleistift kalkulieren, bei welchem Händler sie den größten Rabatt heraushandeln oder auch den besten Preis für ihr Altfahrzeug erzielen können.
Wenn der Kauf eines Gebrauchtwagens geplant ist, wird sich bei vielen der Informationsbedarf noch um unzählige weitere Kriterien erweitern.
Egal wie viele Informationen der einzelne gesucht und für seine Entscheidung herangezogen hat, es wird sicher kaum einen Menschen geben, der sich zu einem Kauf entschließt ohne sich vorher gut - und nach seinem Gefühl ausreichend! - informiert zu haben. Und das denken alle.... egal wie tief sie in die Materie "Auto" vorgedrungen sind und sich die für einen Laien noch gerade verständlichen Details angeeignet haben.
Wenn es darum geht, einen Hund bei sich aufzunehmen, wird häufig das Beispiel des Autokaufs herangezogen, um deutlich zu machen, wie umfassend schon bei der Anschaffung einer "Sache" die Informationssuche aussehen kann und auch um zu demonstrieren, dass beim Neuwagenkauf längere Lieferzeiten auftreten und hingenommen werden.
Ich bin immer wieder erstaunt, welche Fragen von Welpeninteressenten man im Internet lesen kann.
Das kann sich bei dem einen darauf beschränken, die Hunderasse, das Geschlecht, die Haarart/Farbe und den günstigen Preis anzugeben und dann dazu kommen, doch bitte die Adresse des zu diesen Kriterien genau passenden Züchters zu nennen.
Dem nächsten, der sich für eine Rasse und gleich die Marke (oder hier besser: den Verein) entschieden hat, wird der link zu der Züchterliste dieses Vereins helfen und er wird seinen Züchter schlicht nach der Postleitzahl des Wohnortes auswählen.
Ein Dritter wird sich über Charaktereigenschaften und möglicherweise in der Rasse auftretende Gesundheitsprobleme informieren, um herauszufinden, welche Kriterien er bei der Wahl des Züchters genau dieser speziellen Hunderasse zu beachten hat. Der so informierte Interessent wird sich dann genau erkundigen, inwieweit der Züchter den Besonderheiten der Rasse in seiner Zucht und Zuchtplanung Rechnung trägt.
Am Beispiel der Gesundheit beim Cavalier kann man vielleicht deutlicher zeigen, dass der eine Interessent die Angabe "Herz-untersucht" zufrieden und beruhigt hinnimmt. Vielleicht hat sich der Interessent über die Zuchtvorgaben der einzelnen Vereine informiert und wird nachfragen, ob die Hunde auskultatorisch oder per Doppler untersucht wurden und dann wird er vielleicht noch weiter gehen, ob die Ultraschall-Herzuntersuchung von einem Allgemeintierarzt oder von einem Tierarzt mit einer Zusatzausbildung in "Kardiologie" durchgeführt wurde. Wenn sich der Interessent viel Zeit für seine Internetrecherche bei Gesundheitsfragen genommen hat und auch zum Beispiel auf Internetseiten "rund um den Cavalier" aus England gesucht hat, wird er weitere Kriterien erfahren haben, die sich auch auf die Herzgesundheit der Hundeeltern und -großeltern beziehen und er wird dabei bestimmte Altersvorgaben gefunden haben.
Je intensiver und genauer die Informationssuche wird, desto mehr Fragen werden sich ergeben, die der Interessent seinem Züchter stellen möchte.
Eine Garantie für die dauerhafte Gesundheit eines Lebewesens kann kein Mensch geben, er kann aber alles dafür tun und den derzeitigen Stand der Wissenschaft zu medizinischen Fragen beachten, um die bestmöglichen Voraussetzungen für eine gute Gesundheit zu schaffen. Eigentlich 'kann' er nicht nur alles dafür tun, er 'muss' alles dafür tun, egal ob man als Grund nun Begriffe wie Ethik, Moral oder Tierschutz heranzieht, man kann es ja auch schlicht und einfach aus Tierliebe erwarten.
Bei Krankheiten, von denen im Moment noch nicht bekannt ist, ob und ggf. wie sie vererbt werden oder welche anderen Faktoren noch zu ihrem Auftreten führen können, wird der Interessent nicht umhin kommen, fortlaufend nach Informationen zu suchen, um ggf. prüfen zu können, ob von "seinem" Züchter alles derzeit Mögliche unternommen und beachtet wird.
So verschieden wie bei Welpeninteressenten der ganz persönliche Informationsbedarf ausfällt, so unterschiedlich werden sich auch diese oder jene Züchter mit bestimmten Fragen auseinandersetzen und erst wenn sie sich um solche Fragen kümmern, können sie es bei ihrer Zucht auch beachten.
Aber nicht nur bei der Zucht und Anschaffung, sondern auch bei dem "Halten" von Hunden werden die Informationssuche, das Wissen oder auch die "Intuition für das Richtige" so verschieden sein wie die Menschen es sind, die ihr Leben mit Hunden teilen. Auch hier gibt es eine enorme Spannbreite an Informationsbedarf, die sich erstreckt von: "Ich möchte das nicht wissen und solche Bilder nicht sehen, es macht mich traurig. Ich informiere mich, wenn es bei meinem Hund eintreten sollte!" bis hin zu: "Wo kann ich mehr erfahren? Was sagen Züchter dazu? Was unternehmen Züchter dagegen?"
Bei einem Auto interessieren mich Sicherheit, Aussehen und Preis. Ich bringe es zur Inspektion, tanke das richtige Benzin, achte auf den Ölstand, den Luftdruck und das Profil der Reifen..... alles Technische überlasse ich jedoch den Spezialisten. Schließlich soll mich das Auto nur von A nach B bringen und wenn es kaputt ist, wird es in der Werkstatt repariert und ich ärgere mich höchstens über Unannehmlichkeiten oder die Höhe der Rechnung.
Meinem Hund soll es gut gehen, wenn er krank ist oder Schmerzen hat, leide ich mit ihm mit!
Ich möchte darum alles wissen was ich nur in Erfahrung bringen kann, um das Auftreten einer Erkrankung zu verhindern oder auch um kein Frühsymptom zu übersehen und schnell eingreifen und den richtigen Arzt ansprechen zu können.
Wenn es um vererbbare Krankheiten geht, sollten Hundehalter, die immer auch irgendwie Welpeninteressenten sind, Fragen stellen, um einmal für eine mögliche Züchter- und Welpenwahl die erforderlichen Informationen zu haben, aber auch um soweit Einfluss auf zukünftige Hundezucht zu nehmen wie es für einen nicht-züchtenden Hundeliebhaber und Hundefreund nur möglich ist.