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Ich erinnere mich an ausschweifende Diskussionen, die ich in den ersten Stunden eines Proseminars erlebt habe.
Es waren die Linguisten, die sich besonders gerne zunächst praktisch einer Diskussion beliebiger Themen widmeten, um dann im Anschluss den Gesprächsverlauf beispielhaft als Grundlage einer theoretischen Betrachtung von Kommunikationsmodellen heranzuziehen.

Besonders aufschlussreich (nicht nur bezogen auf linguistische Erkenntnisse, sondern auch für das Kennenlernen einzelner Kommilitonen) war die schlichte Ausgangsfrage, ob "Kaffee-Pappbecher" in den Seminarraum mitgebracht und  - heutzutage nicht mehr denkbar, es war Ende der 70er Jahre - ob dann auch geraucht werden dürfe.

Ich weiß gar nicht mehr, ob nun Kaffee getrunken und geraucht werden konnte, und ich glaube auch, dass es eigentlich im Verlauf des Gesprächs nicht mehr wirklich darum ging.
Vielmehr suchten die Beteiligten die verbale Auseinandersetzung und auch die Chance, ihre Überzeugung - z. B. als Nichtraucher - vertreten zu können.

So ähnlich kommt es mir manchmal in den Internetforen vor.

Der Bericht über einen Hund, der eine Zeitung zerfetzt hat... vielleicht noch eindrucksvoll durch ein Foto dokumentiert, könnte zu folgender Diskussion führen :-))

Die Genetik-Spezialisten - oder die, die sich dafür halten - würden zunächst feststellen, dass über dieses Fehlverhalten bei Junghunden bestimmter Zwinger in der letzten Zeit vermehrt berichtet werde. Fehler bei den Aufzuchtbedingungen seien auszuschließen, weil sich dieses Verhaltensmuster nur bei Abkömmlingen bestimmter Linien zeigt und und nicht zwingend alle Welpen eines Züchters betroffen sind.
Anschließend würden sie dann einen kleinen Grundkurs über Begriffe der Genetik abhalten. Am Beispiel verschiedener Erbgänge könnten sie dann Selektionsmaßnahmen aufzeigen, die zunächst eine Ausbreitung und dann später auch das Auftreten dieses Merkmals verhindern helfen sollen.
Leider hätten sie für den aktuellen Fall keine Lösung parat.

Die Hundeschul-Enthusiasten und Verhaltensspezialisten würden erst erforschen, ob dieses Verhalten neu aufgetreten ist und falls, ob es zeitlich mit Änderungen im Haushalt oder Leben des Hundes zusammentrifft. Sie würden grundsätzlich an der "Mensch/Hund"-Beziehung arbeiten und hierfür - je nach favorisiertem Erziehungsstil - verschiedene Maßnahmen empfehlen.
Gehen wir mal von Hundefreunden aus, die die positive Bestärkung als Grundlage aller Erziehung ansehen (andere Antworten mag ich mir nicht vorstellen!). Sie würden ein paar Lektionen der Grunderziehung und anschließend einige Runden auf dem Agility Parcours empfehlen. Vielleicht hätten sie auch einen "Knackfrosch" parat und mit einiger Übung wäre das Klickern die Lösung für dieses Problem und könnte gleichzeitig auch das Auftreten anderer "Untaten" verhindern.

Auch die BARFer könnten sich melden. Sie würden feststellen, dass der Hund - trotz Domestikation und tausender Jahre der Selektion und trotz der Generationen andauernden Fehlernährung mit Tischabfällen und Industriefutter - über ein Raubtiergebiss mit entsprechender Muskulatur verfügt.
Die Fehlernährung führt zu einer Unterforderung der anatomisch vorgegebenen Kräfte und die Überschußenergie wird - quasi als verzweifelter Selbstheilungsversuch des Körpers - in eine artfremde Richtung kanalisiert.
Die Umstellung der Ernährungsform wird dem Hund bei der sofortigen Wiederherstellung des inneren Gleichgewichts helfen, Ersatzverhalten (anderes ist das Zeitungsfetzen nicht) wird ausbleiben.

Vielleicht würde auch jemand einfach denken, dass die Zeitung weggeräumt werden, dem Hund ein Spielzeug gegeben oder er anders abgelenkt werden sollte.

Ob die, die das für nahe liegend halten, das dann aber auch schreiben würden?
Oder haben sie vielleicht doch Sorge, dass sie sich als ahnungslose Laien outen oder gar zu erkennen geben könnten, dass sie das Problem in all seiner Tragweite und Vielschichtigkeit gar nicht richtig erfasst haben?