All die Jahre hatte
Jasper "immer mal" wieder Bauchschmerzen.
Zwischen dem Auftreten konnten Tage, manchmal auch Wochen ohne irgendwelche
Besonderheiten vergehen. Meist hörte ich an solchen Tagen morgens ein lautes
Grummeln und Gurgeln
aus seinem Bauch. An diesen Tagen zeigte Jasper auch ein anderes
Verhalten. Er, der „Morgenmuffel“ und Langschläfer war an solchen
„Schmerztagen“ schon vor mir wach, hatte das Bett verlassen und sich auf
den
Flur oder unter einen Küchenstuhl „geflüchtet“, absolut atypisch für
einen
Hund, für den ein Tag sonst mit einer längeren Schmuserei beginnen muss.
Oft liest man von anderen Hunden, dass sie bei vergleichbaren Symptomen wild darauf sind, Gras zu fressen oder sich übergeben... das traf bei Jasper nicht zu.
Nach der Morgenrunde, die er auch – anders als
sonst – nur widerwillig
mitmachte, ist er nicht wie üblich gleich
in die Küche gelaufen und hat "um sein Frühstück gebellt", sondern legte
sich
direkt neben der Wohnungstür auf die Garderobe … den
Kopf
ganz fest auf seine Pfoten gepresst. Er reagierte dann auch nicht wie sonst mit Schwanzwedeln oder seinem typischen Blick wenn ich ihn angesprochen habe. An solchen Tagen wollte er - zumindest morgens - nichts fressen. Oft
wenn eine hörbare „Grummelwelle“
durch den Bauch gezogen war, ist Jasper aufgesprungen und in geduckter
Haltung
mit einem weinenden „Bellgeschrei“, unter dem nächstgelegenen Stuhl
verschwunden. Er zeigte Schmerz und Schreck zugleich, manchmal suchte er
meine
Nähe und hat sich seinen Bauch und angespannten Rücken
leicht
massieren und streicheln lassen, meist wollte er aber Abstand und sich
unter
einem Tisch oder Stuhl verkriechen.
Als Mittel habe ich ihm auf tierärztlichen Rat
Nux Vomica oder auch
manchmal Buscopan gegeben… dadurch, teilweise aber auch „von selber“, war alles
meist nach
ein paar Stunden vorbei.
Aus dem „anderen“ Hund war nach ein paar Stunden –
so als
habe man einen Schalter umgelegt – wieder der normale gutgelaunte und fröhliche Jasper geworden, der manchmal nervend bellt, weil er sein Essen
haben
möchte.
Eigentlich traten diese „Anfälle“ schon von Anfang an – bereits ein paar
Wochen
nach seinem Einzug bei mir – auf. Jedes Mal wenn ich mit ihm den
Tierarzt
oder die Tierklinik aufgesucht hatte, weil es mir besonders schlimm
erschien, wurde
ihm ein krampflösendes Mittel gespritzt und von den Tierärzten darauf
hingewiesen, dass Jasper häufiger kleine Mahlzeiten bekommen und der
Abstand
zwischen den Mahlzeiten nicht zu lang sein sollte.
Eine organische Ursache – im Sinne eines „Leidens“ – wurde, auch weil
die
Symptome nicht regelmäßig und aus völligem Wohlbefinden auftraten und nach ein paar Stunden wieder verschwanden, immer
ausgeschlossen.
Man hielt die ganze Geschichte für eine typische
Erscheinung zu langen
Nüchtern-Seins und eine dadurch entstandene Magenübersäuerung. Abhilfe
sollte
ein Abendbrot oder ein Zwieback als Betthupferl
bringen.
Als Jasper einen akuten und mit heftigen Koliken verbundenen
Magen-Darm-Infekt hatte, erfolgten Ultraschalluntersuchungen des
Abdomens und Laboruntersuchungen
von Stuhlproben usw., auch wurden sämtliche Blutwerte bestimmt.
Dabei kam heraus, dass spezielle Blutzellen stark erhöht waren, die – wenn keine
Wurminfektion vorliegt - auf ein allergisches Geschehen
hindeuten.
Im Anschluss machte ich mit Jasper – und irgendwie
so ein bisschen auch mit
Ceddy – eine achtwöchige Ausschlußdiät, die aus Kartoffeln und
Pferdefleisch
bestand. Am Ende dieser Zeit ging es Jasper phantastisch und eine
Kontrolle
bestätigte, dass sich die Blutwerte normalisiert hatten.
Jaspers Ernährung wurde auf ein hypoallergenes
Trockenfutter umgestellt
und er zeigte in der Folge keinerlei Bauchsymptomatik mehr.
Nach einigen Monaten traten jedoch Hautprobleme auf.
Jasper leckte und kratzte
sich am Bauch, an den Flanken und fühlte sich unwohl. Er hatte
wiederholt Ohrentzündungen und auch seine Augen waren gerötet.
Unsere Tierärztin führte diverse
Untersuchungen durch. Viele Proben von „Hautgeschabsel“ und Abstriche auch aus den Ohren wurden im Labor untersucht und das Ergebnis
waren
Malassezien und Staphylokokken in erhöhter Zahl. Also Pilze und
Bakterien
wie sie physiologsich auf der Haut des Hundes vorkommen und in der Regel
keinerlei Probleme machen sollten. Alle denkbaren Parasiten wurden dabei ausgeschlossen, auch zeigte Ceddy keinerlei Hautsymptome. Eine unzureichende Funktion der
Hautbarriere
- zum Beispiel wegen einer geschwächten Immunlage, die wir wegen des vor
einigen
Monaten durchgemachten Bauchinfektes bei Jasper vermuteten
- ist häufig Ursache dafür, dass die
Haut nicht mit der „natürlichen Keimbesiedelung“ fertig wird.
Eine Antibiotika-Therapie, unterstützt durch
Baden mit Spezialschampoo und
Einsalben der betroffenen Hautbereiche, Augen und Ohren, brachte eine
deutliche
Besserung…. bis dann nach
ein paar
Monaten die Probleme wieder auftraten.
Ein zu diesem Zeitpunkt durchgeführter Bluttest
ergab, dass Jasper an
einer Allergie gegen Hausstaub- und Futtermilben leidet. Ab sofort bekam
Jasper
kein Trockenfutter mehr, ich schaffte neue Kunstleder-Hundebetten an und
entfernte die alten „Plüsch-Höhlen“, die zwar weich und kuschelig waren,
aber
gleichzeitig wohl auch ein „Rundum“-Lager für Hausstaubmilben
darstellten.
Zusätzlich kaufte ich einen leistungsstarken
Staubsauger mit doppelter
Filterung, der Hausstaub-Allergikern empfohlen wird, tauschte Bettdecke
und
Kissen gegen geeignete Allergiker-Bettwaren aus und verwende seitdem Microfaser-Bettwäsche, um ein
für Jasper geeignetes (milbenfreies) Schlaf-Klima zu schaffen.
Um nicht immer bei dem Diätessen – diesmal Kartoffeln,
Hühnerfleisch, Möhrchen – bleiben zu müssen, entschlossen die
Tierärztin
und ich uns dazu, einen „Blut“-Allergietest auf Nahrungsmittel
durchzuführen.
Die Ergebnisse dieses Testes gelten zum Teil als
umstritten. Bei
Nahrungsmitteln, die die der Test als Allergieauslöser anzeigt, besteht
tatsächlich
eine Unverträglichkeit, andererseits bedeutet ein Ergebnis, das für einen Stoff keine
Allergie
bestätigt, nicht, dass dieses Nahrungsmittel auch wirklich vertragen
wird.
Jasper wurde Blut abgenommen und der Test ergab eine Allergie
gegen Rind- und Lammfleisch sowie Kauartikel usw., die diese
Proteine enthalten.
Für mich war dieses Ergebnis einerseits eine Erleichterung
und Aufklärung und
andererseits machte es mir auch ein schlechtes Gewissen.
Von Welpenzeit an hatte ich Jasper - auch auf Empfehlung seines Züchters hin - mit
Fertigfutter, das Lamm
enthielt, gefüttert. Wenn er das nicht bekommen hatte, hatte ich ihm
gekochtes
Rindergehacktes gegeben, er hatte auch Kauteile aus Rinderhaut oder „Lammhaut-Kauzöpfe“, die er besonders mochte, bekommen. Jedenfalls habe ich ihm – ob als Nahrung, Leckerlie oder Kauartikel – immer wenigstens
einen der
allergie-auslösenden Stoffe gegeben.
Ich hoffe, dass ich durch Vermeidung von Rind und Lamm bei Jasper
zukünftig Bauchprobleme verhindern kann und dass ich mit "Putzen" und anderen Maßnahmen Jaspers durch die
Milbenallergie ausgelösten Hautprobleme "in den Griff"
bekomme.
Ich werde hier weiter - hoffentlich über Jaspers Wohlbefinden - berichten….