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Grannen (http://www.vet-doktor.de/ARCHIV/Gesundheit/Grannen/grannen.html) sind sicher die saisonalen Gründe, weshalb Hundefreunde auf andere Wege bei ihren Spaziergängen ausweichen oder Hunde, die sonst die Freiheit genießen dürfen, angeleint bleiben müssen.

Es gibt wohl kaum ein Körperteil, in das sich diese Teile nicht hineinbohren können. Einmal unter die Haut gelangt, wandern sie weiter nach "innen", lassen sich nur schwer entfernen, führen zu Verletzungen und können üble Entzündungen verursachen.

Jeder hat schon schlimme Berichte gehört über Grannen, die sich in Hundeaugen und -nasen bohren, dagegen erscheint die Granne im Ohr oder im Fuß fast harmlos.

Jasper und Ceddy sind bisher *toitoitoi* (ich wage es kaum zu  schreiben) verschont geblieben , vielleicht auch, weil ich in den entsprechenden Monaten fast panisch allen "wilden Gräsern" am Wegesrand ausweiche.

Traurige Erfahrung habe ich in Bezug auf Grannen mit Charly gemacht. In der Beziehung ein wirklicher Pechvogel schien er Grannen magisch anzuziehen.

Es ist kaum ein Sommer vergangen, in dem ihm nicht mindestens einmal - meistens am Wochenende und im Notdienst - eine aus den Ohren entfernt werden musste. Mal schaffte der Tierarzt es, sie direkt aus dem Ohr zu bekommen, oft genug war diese Aktion leider nur mit Narkose möglich.

Es hat bei Charly auch nicht geholfen, die Haare auf der Ohrinnenseite zu kürzen und trotz häufiger Kontrollen - schon während des Spaziergangs - konnte ich nicht verhindern, dass er immer und immer wieder durch heftiges Kopfschütteln und Kopf-Schiefhalten signalisierte, dass er schon wieder eine Granne im Ohr hatte.

Manchmal ist es aber leider nicht so offensichtlich, dass der Hund Beschwerden durch eine Granne hat.
Mit Charly habe ich einmal folgende Geschichte erlebt….  

Als ich an einem Sommertag aus dem Büro nach Hause kam, wurde ich wie immer überschwänglich von meinem großen schwarzen Freund begrüßt.
Ziemlich schnell entdeckte ich aber, dass er an seinem linken Vorderfuß geleckt haben musste. Zwei Zehen und der Zehenzwischenraum waren von den Krallen bis oben auf die Pfote vollständig nackt-geleckt.

Natürlich habe ich sofort den Fuß von allen Seiten kontrolliert, konnte aber an den Krallen, zwischen den Zehen und auch unten zwischen den Ballen nichts entdecken. Da Charly munter war, nicht humpelte und keinerlei Einschränkungen zeigte, entschloss ich mich das Ganze bis zum nächsten Tag zu beobachten.

Anders als erwartet leckte Charly weiter an seinem Fuß, so dass ich doch noch am selben Tag abends – kurz vor Ende der Sprechstunde - mit ihm zum Tierarzt gefahren bin. Auch der Arzt suchte den Fuß von allen Seiten nach Verletzungen ab und konnte wie ich nichts entdecken.

Er befragte mich nach Charlys Lebenssituation und ich schilderte ihm unser Zusammenleben.
Zu meinem großen Entsetzen äußerte der Tierarzt - er war der Vertreter unseres eigentlichen Tierarztes, der gerade seinen Sommerurlaub machte – die Vermutung, dass es für das Pfotenlecken keine organische Ursache gäbe, sondern Charly Stress beim Alleinsein empfinde und er diesen Stress entlade indem er sich selbst während meiner Abwesenheit Stunde um Stunden die Pfote lecke.

Wie bei meinen Jungs jetzt - hatte ich mit Charly lange das Alleinbleiben trainiert. Gerade Charly war ein sehr stabiler und „in-sich-ruhender“ Hund, alles andere hätte ich von ihm erwartet als eine solche Verhaltensauffälligkeit.

Ein paar Tage lang versorgte ich Charlys Fuß mit der vom Tierarzt mitgegebenen Hautsalbe, die das Entstehen eines Leckgranuloms verhindern sollte. Weil er immer wieder leckte und ich auf einmal auch das Gefühl hatte, dass er den Fuß etwas zu schonen schien, bin ich mit Charly in die Tierklinik gefahren, um die Meinung eines zweiten Tierarztes einzuholen.

Dieser untersuchte Charly und entdeckte dann, vielleicht weil inzwischen deutlichere Entzündungszeichen an der „Einstichstelle“  erkennbar waren, dass sich wohl zwischen den Zehen ein Fremdkörper eingebohrt haben könnte.

Charly bekam eine Spritze gegen die Entzündung und einen dicken Verband mit Zugsalbe um den Fuß. Als sich nach ein paar Tagen nichts getan hatte, wurde ein Termin vereinbart, bei dem Charly eine Narkose bekommen und der Fremdkörper entfernt werden sollte, der Tierarzt zweifelte inzwischen nicht mehr daran, dass dies der Auslöser war.
Bei der OP musste ein längerer Schnitt gemacht werden, tatsächlich hatte sich eine Granne zwischen die Zehen gebohrt und war in die Tiefe Richtung Unterschenkel gewandert.

Ich war ziemlich entsetzt, dass ich meinen Charly längere Zeit mit diesem Teil im Fuß habe rumlaufen lassen und gleichzeitig war ich aber auch erleichtert, dass ich meinen Hund und seinen „Seelenzustand“ doch besser kenne als ein Tierarzt, der meint mir im Brustton der Überzeugung etwas ganz anderes erklären zu müssen….