Unter Zucht könnte man verstehen, eine Hündin und einen Rüden zusammen zu bringen und dann der Hündin bei der Trächtigkeit und der Geburt von Hundewelpen beizustehen.
SO ist es erst einmal ein Vermehren von Hunden, Zucht im eigentlichen Wortsinn ist es wohl erst, wenn Hündin und Rüde gezielt ausgewählt werden, um durch sie Hunde mit speziellem Aussehen oder besonderen Eigenschaften in die Welt zu setzen.
Auf diese Weise wurden schon "Ewigkeiten" Hunde gezüchtet, die besondere Arbeitsleistungen erbringen konnten, Haus und Hof bewachten, beste Jäger waren oder auch mit den Menschen als liebenswerte "Gesellschafter" lebten.
Es hat mich überrascht zu lesen, dass es DIE Hundezucht nach unserem heutigen Verständnis mit Zuchtverbänden, Zuchtbüchern, registrierten Zuchthunden und Rassestandards gerade 150 Jahre gibt.
In dieser kurzen Zeit sind die meisten der zahllosen "Hunderassen" entstanden, die wir heute kennen. Verschiedene Hunderassen, die sich zum Teil so ähneln, dass oft nur der "Fachmann" erkennen kann, welcher Rasse der einzelne Hund zuzuordnen ist. Liebhaber mögen es verzeihen, weil in ihren Augen IHRE Hunderasse natürlich einzigartig ist... Nur welcher Laie könnte bei oberflächlichem Hinsehen nicht z. B. einen Bichon Frisé für einen Bologneser halten oder auch einen Lhasa Apso mit einem Shi Tsu verwechseln, weitere Beispiele ließen sich in großer Zahl nennen.
Dazu sind viele Rassen noch in Schläge unterteilt, die kurz- oder langhaarig, einfarbig oder "bunt", von den Züchtern z. T. nach Standard nicht miteinander verpaart werden (dürfen).
Die meisten Hunde erfüllen heute keine Arbeit als Schutz-, Wach- oder Jagdhund, für die wichtigstes Zuchtkriterium die Arbeitsleistung, ihre Energie, Robustheit oder "Zähigkeit" sind.
Hunde werden heutzutage wohl überwiegend als Freunde und Gefährten der Menschen gezüchtet. Für Menschen, die sich ihren Hund dann nach Charaktereigenschaften, Temperament und - manchmal sehr oberflächlich - ("nur") nach dem Aussehen aussuchen.
Wird vom Züchter der "Kundenwunsch" nach dem allerschönsten Rassehund als DAS Selektionskriterium aufgegriffen, dann braucht nur die schönste Hündin mit dem bekanntesten Schönheitschampion verpaart zu werden. Das Resultat werden schöne Welpen sein. Die Rechnung wird für eine gewisse Zeit sogar aufgehen... Bis mehr und mehr schöne Welpen zu immunschwachen Hunden heranwachsen, die mit Skelettfehlern, Allergieneigung oder anderen Schwächen, vielleicht sogar schlimmen Erkrankungen zu leben haben. Weil ihnen ihre schönen Eltern und Großeltern diese so ganz nebenbei und "unsichtbar" vererbt haben.
Was ist Hundezucht, wenn von einigen als "normal" akzeptiert wird, dass manche Hunde sich nicht mehr "natürlich" oder freiwillig verpaaren, ihre Welpen nicht mehr "natürlich" geboren werden.
Wenn "züchterische Tricks" Leben entstehen und heranwachsen lassen, dem dann von Ärzten auf die Welt geholfen werden muss. Wenn vieles, weil es aktuell gerade machbar ist, auch praktiziert wird und schnell als Normalität gilt?
Für den Züchter, der die Verantwortung für seine Hunde und seine Handlungsweise trägt, ist es Verpflichtung, sich mit Genetik auseinanderzusetzen.
Doch auch der Welpenkäufer sollte sich mit diesem Thema und anderen Aspekten der Hundezucht beschäftigen, damit er herausfinden kann, auf was er bei der Wahl des Züchters achten sollte.