Dass es sich dabei nicht um Menschen handelt, die ihren Nachkommen große Vermögen vererben, steht wohl fest, denn dieser Begriff taucht im Zusammenhang mit Zucht auf.
Die Google-Suche führt bei dem Stichwort dann auch zu endlos vielen Ergebnisseiten, auf denen es um Zucht von Pferden, Rindern oder Brieftauben und irgendwann auch um die Zucht von Hunden geht.
Top-Vererber ist ein den männlichen Zuchttieren zuerkannter Titel, wenn die Mütter besonders hervorgehoben werden sollen und für die Zucht als bedeutsam gelten, werden sie einfach als "erfolgreich" bezeichnet.
Sind Top-Vererber nun diejenigen, die besonders viele Nachkommen gezeugt haben oder verdienen sich diejenigen diesen Rang, die an ihre Kinder gewünschte Anlagen und Merkmale "zuverlässig" weitergeben oder sind diese beiden Vermutungen richtig?
Eine genaue Erklärung dieses Begriffs - etwa im Sinne einer Wikipedia-Definition - taucht nicht auf, aber die Informationsseite einer Besamungsstation für Rinder führt auf der Suche schließlich einen Schritt weiter. Hier werden nämlich die Top-Vererber u. a. nach ihrem "Fleischwert" gelistet, also wird das Kriterium für diese Bezeichnung ein qualitatives sein, nämlich die Weitergabe bestimmter Anlagen an die Nachkommen.
Wenn man sich etwas näher mit der Hunde-Szene beschäftigt und auch als überzeugter "nicht-Ausstelllungs-Interessierter" Beiträge und Nachrichten über Shows liest, wird man schnell den Hype, den bestimmte Hundezirkel um einzelne Rüden machen, erleben können. In gewissen Liebhaberkreisen reicht dann schon das Foto eines Hundes mit bekanntem Namen aus, um in Begeisterungsstürme zu verfallen. Für andere, die einfach nach einem netten Hund suchen, der ein lieber Kerl und guter Freund für sie sein kann und dann als zweites(!) auch in ihren Augen hübsch anzusehen sein sollte, ist auf dem Foto nur ein - je nach Geschmack - schönes Äußeres zu erkennen.... aber ob dieser Adonis auch immer und nur das mitbringt, was einen gesunden und freundlichen Hund mit liebem Charakter ausmacht?
Trotzdem hört man dann manchmal Stimmen, die mit Überzeugung blind und ohne "wenn und aber" genau einen Sohn oder Enkel eben dieses Hundes auf dem Bild bei sich aufzunehmen wünschen. Das klingt für mich etwas fremd, ein wenig erinnert es auch an "Bestellen nach Katalog" und ungewohnt wenn es um ein Lebewesen geht, das man doch erstmal kennen lernen möchte. Außerdem frage ich mich natürlich, ob denn der Sohn oder Enkel dieses Top-Rüden genau ein Ebenbild seines berühmten Ahnen sein kann, denn schließlich bekommt der Welpe doch auch die Hälfte seiner Erbmasse von seiner Mutter. Und das wird wahrscheinlich genau der Punkt sein, was aus einem Top-Rüden dann einen Top-Vererber macht. Ein Top-Vererber müsste, wenn man sich die Erbsen von Mendel vorstellt, bezüglich dieser Merkmale "reinerbig" sein, denn nur dann wird er jedem seiner Nachkommen genau diese Anlage vererben können.
Als normaler Hundefreund, der keine Ahnung von dem üblichen Zuchtgeschehen hat, ist man erstmal völlig überrascht, wenn man erfährt, wie das Zahlenverhältnis von aktiven Deckrüden und aktiven Zuchthündinnen in einer Hunderasse aussieht. Umfrage zu Cavalieren http://www.cavalierpopulation.com/ Hier sind offensichtlich "normale" Hunde angegeben, noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man stattdessen nach den Zahlen von Deckeinsätzen/Würfen sehr bekannter Champion-Rüden sucht.
Wenn denn ganz bekannte Schönheits-Sieger, weil die Züchter und Welpenkäufer nur das Beste, Berühmteste und Schönste wollen, ganz häufig zur Zucht eingesetzt werden, kann man sich als Laie ausmalen, was für eine Konsequenz es für die Rasse haben könnte, wenn diese häufig eingesetzten Rüden neben ihrer Schönheit auch möglicherweise Krankheiten oder die Disposition hierzu vererben. Nachzulesen ist dies zum Beispiel auf diesen Seiten: http://www.sommerfeld-stur.at/hundezucht/popular-sires/prolog http://www.von-der-keltenschanze.de/download/Vererbungslehre.pdf
Ob nun die Tatsache, dass ich die Bezeichnung Top-Vererber bei einer Besamungsstation von Rindern gelesen und dort das Kriterium "Fleischwert" gefunden habe oder ob diverse Aufsätze von Populationsgenetikern in mir so ein ungutes Gefühl auslösen... Vielleicht liegt es ganz einfach daran, dass ich die Bezeichnung nur falsch verstanden habe und darum negativ belege. Schließlich könnte es ja gerade auch ein Top-Vererber sein, der seinen Nachkommen sicher und zuverlässig Gesundheit, eine lange Lebenserwartung und ein freundliches Wesen mitgibt!