Auf meiner Homepage habe ich keine Beschreibungen von Büchern, es gibt viele Internetseiten, auf denen über den aktuellen Hundebücher-Markt informiert wird. Der eine interessiert sich für ein spezielles Thema, der andere hat ganz andere Schwerpunkte, alle Hundebücher zu lesen, dafür wird den meisten Menschen die Zeit fehlen.
Hier mache ich eine Ausnahme, weil ich für ein Buch werben möchte, für das sich jeder Hundemensch interessieren sollte.
„Schwarzbuch Hund“
Nicht nur Hundehalter und Züchter, sondern auch Menschen, die überlegen, einen Hund zu sich zu nehmen, sollten sich mit diesem Buch unbedingt auseinandersetzen! Christoph Jung beleuchtet hierin umfassend und ganz aktuell alle Aspekte, über die wir als Hundefreunde nachdenken sollten.
Christoph Jung schreibt zu Beginn in seinem "Schwarzbuch Hund" über die Abstammung des Hundes und über die schon vor Jahrtausenden beginnende Domestikation bis schließlich der Hund als Hüter, Wächter, Lastenträger, Jagdgefährte usw. zum Leben der Menschen gehörte, und der Mensch begann, den Hund gezielt für bestimmte Aufgaben zu züchten. Es werden diverse Beispiele genannt, die deutlich machen, wie sehr der Mensch von den Leistungen und besonderen Fähigkeiten der Hunde profitiert... bis hin zu der Feststellung, dass die Entwicklung zum heutigen Menschen ohne den Hund wohl ganz anders verlaufen wäre.
Die besondere Annäherung dieser beiden unterschiedlichen Spezies "Hund" und "Mensch" wird eindrucksvoll damit unterstrichen, dass der Hund zu den einzigen nicht-menschlichen "Wesen" gehört, die dem Blick menschlicher Augen folgen, die Körpersprache interpretieren, dem Fingerzeig folgen usw., damit ein "Verständnis" für den Menschen zeigen, das bei keinem anderen Tier zu finden ist.
Diese Kapitel sind nicht nur sehr interessant, weil sie den aktuellen Forschungsstand verständlich erklären, sie machen auch deutlich, über welch langen Zeitraum bereits eine Beziehung zwischen Hunden und Menschen besteht, und welche Verantwortung der Mensch für den SO von ihm geschaffenen Hund übernommen hat. Alles, was Jung im weiteren Verlauf seines Buches beschreibt, muss sich an der Frage messen lassen, ob der Mensch dieser Verantwortung gerecht wird und - so verstehe ich es - die Freundschaft und Nähe des Hundes überhaupt verdient.
Hierbei kommt Jung auf so viele Themen, die "rund um den Hund" in unserer heutigen Zeit von Bedeutung sind und leider auch zu der traurigen Erkenntnis führen "aber der Hund weint nicht"...
Sehr informiert thematisiert Jung Fragen der Hundezucht, kommt auf das Ausstellungswesen, spricht die Gefahren und sichtbaren Folgen zu enger Zucht an, spricht über die Bedeutung der Populationsgenetik, es fallen Begriffe wie "Popular Sire". Er beschreibt seine Gedanken zur Verantwortung der Züchter, spricht kritisch über Zuchtverbände und Vereine. Jung macht deutlich, welchen Stellenwert der Hund als Wirtschaftsfaktor hat. Bei dem Thema "Hundewirtschaft" spricht er einen Riesenmarkt an und nennt Summen, die nicht nur bei der Anschaffung des Hundes jährlich aufkommen. Er spricht über Futtermittel (mit vielen traurigen Aspekten) und die Bedeutung und Verflechtung großer Konzerne, die Tiermedizin, Impfungen usw., ein riesiger Wirtschaftszweig, der sich rund um unseren Freund „Hund“ etabliert hat und gigantische Umsätze erzielt.
Außerdem kommt er auf "gesellschaftspolitische" Themen, zu denen z. B. auch die Landeshundevordnungen gehören. Er spricht über Fragen des alltäglichen Lebens mit Hunden, Sätze wie "der tut nix" tauchen auf. Hundehalter werden in die Pflicht genommen, weil sie durch ihr Verhalten mit auf das "Bild" und das "Ansehen" des Hundes in der Gesellschaft Einfluss nehmen. Schon bei der Suche nach einem Hund sollte sich jeder seiner Verantwortung bewusst sein, wenn bestimmte Modegeschichten nicht nachgefragt würden oder Hundehandel (ein trauriges Kapitel mit dem Jung sich ausführlich beschäftigt) keinen Profit brächte, ginge es den Hunden schon besser. Er spricht auch über die BBC Dokumentation, den Kennel Club und Gesetzesänderungen in Österreich.
Das Buch ist sachlich und verständlich geschrieben, spannend zu lesen, es ist ein sehr mutiges Buch, das nachdenklich macht.... Das Buch hat immer - auch in den Passagen, in denen der "Ist-Zustand" nüchtern analysiert wird - viel mit Freundschaft, Verantwortung und Respekt zu tun. Es wird ganz deutlich, dass Christoph Jung - er gehört zu den Initiatoren des Dortmunder Appells http://www.dortmunder-appell.de/ - das Wohlergehen, das Glück und die Gesundheit unserer Hunde zu „seiner Sache“ gemacht hat.