Ebba, Dirk und Olaf waren die Hunde meiner Kindheit und Jugendzeit. Leider habe ich nicht viele Bilder von ihnen gefunden, trotzdem möchte ich diese Hunde, mit denen meine Familie und auch ich so viele Erinnerungen verbinden, gerne vorstellen.
Als erster Hund ist Ebba, ein kleines rotes Cocker-Baby bei uns eingezogen.
Ebba war eine sehr hübsche, kleine und zierliche Hündin.
Manche Menschen würden von einer "Bonsai-Cockerin" sprechen, ich denke sie wäre äußerlich mit ihrer Größe eher ein Cavalier gewesen. Aber nur äußerlich, denn Ebba war in ihrem Wesen alles andere als ein Cavalier.
Ich weiß nicht, ob "Cocker-Wut", an der in den 60er und 70er Jahren viele rote Cocker litten, die Ursache dafür war, dass Ebba wütend und ohne Vorwarnung gebissen hat... alle Familienmitglieder - nur meine Mutter nicht. Im Gegenteil, Ebba hatte es zu ihrer Aufgabe gemacht, meine Mutter vor allen anderen Menschen zu beschützen. Allerdings hatte sie ihre ganz eigenen Vorstellungen darüber entwickelt, was sie als Bedrohung meiner Mutter ansah.
Es gab tatsächlich Besucher, die an der Sprechanlage nachfragten, ob denn "das Raubtier" gesichert sei, bevor sie überhaupt die Wohnung betreten wollten.
Ich kann mich daran erinnern, dass verschiedene Versuche gestartet wurden, Ebba zu einem "familientauglichen Hund" zu machen.
Ein Tierarzt hielt es für möglich, dass hormonelle Schwankungen Probleme bereiten könnten, die durchgeführten Hormoninjektionen brachten jedoch keinerlei Änderung bei ihrem Verhalten.
Einmal war auch ein "Hundeinternat" im Gespräch. Wir sind für ein Gespräch zu diesem "Institut" gefahren und als der "Trainer" erklärte, mit welchen Mitteln er sich Hundeerziehung vorstellt, lehnte meine Mutter, die damals schon nichts von Teletakt-Geräten hielt, ab.
Natürlich gab es auch schöne Momente, Spiel- und Schmusestunden mit Ebba, immer aber war irgendwie ein ungutes Gefühl dabei, weil man nie wusste, wann sie in ihrer Stimmung "kippen" und aus der Schmuserin die wütende Angreiferin würde.
Als nach einigen Jahren das Leben mit und für Ebba immer schwieriger wurde und es gar nicht mehr möglich gewesen wäre, Ebba ohne Maulkorb auszuführen, mussten meine Eltern die traurige Entscheidung treffen, Ebba abzugeben.
Ebba ist auf's Land zu einem kinderlosen Paar gezogen, der Kontakt zu der Familie wurde gehalten und Ebba ist dort uralt geworden.
Durch Ebba und später durch meinen Lucky habe ich gelernt, wie "dankbar" man einem Hund sein muss, wenn er denn durch Knurren sein Missfallen ausdrückt und auf seine Art "warnt". Das einzig Auffällige woran ich mich erinnern kann ist, dass Ebbas Augen immer gefunkelt haben wenn sie gebissen hat....
Dirk ist als erwachsener Hund bei uns eingezogen. Auf den schlechten Fotos ist vielleicht zu erkennen, dass er ein bildschöner Rüde war. Cocker-Kenner werden wissen, dass "Blauschimmel mit Loh" - zumindest damals - eine der selteneren Farben war.
Dirk war von seinem Züchter als Deckrüde gewählt worden, weil er mit seinem Stammbaum, seinem Aussehen und auch seinem Wesen alles mitbrachte, was er sich für seine Zucht wünschte. Allein... der Züchter hatte sich keine Gedanken darüber gemacht, ob Dirk denn überhaupt Lust dazu hatte. Was für den Züchter traurig war, für unsere Familie war es ein Glück! Dirk, der nicht Deckrüde sein wollte, konnte bei uns einziehen!
Dirk war der ganz besondere Lieblingshund meiner Mutter, er hat diese Liebe auf eine einzigartige Art erwidert. Meine Mutter war für ihn eindeutig die Hauptperson, aber anders als Ebba war er auch zu uns anderen freundlich, liebevoll und gab uns auf seine ruhige Art all das was Menschen sich von einem Hund erträumen können.
Es ist vorgekommen, dass wir meine Mutter zur Straßenbahn brachten und Dirk eine Viertelstunde an der Haltestelle bleiben wollte, weil die Bahn vielleicht doch noch zurückkommen würde.
Dirk war ein ganz robuster Kerl. Ein Beispiel... er hat sich vom Küchentisch sechs tiefgefrorene und noch nicht richtig aufgetaute Schnitzel "geklaut". Einzige Reaktion war einmal Durchfall, aber keinerlei Bauchgrummeln oder Unwohlsein. Ich kann mich an keine Krankheiten oder häufigen Tierarztbesuche mit Dirk erinnern.
Für uns Kinder, aber besonders für meine Mutter, war es unfassbar als es Dirk aus völligem Wohlbefinden heraus plötzlich ganz schlecht ging. Er wurde beim Tierarzt behandelt und bekam Infusionen. Als mein Vater ihn in der Praxis abholen wollte, war Dirk ein paar Minuten vorher für immer eingeschlafen...
Ich glaube, alle Hundefreunde haben dieselben bösen Gedanken und Wünsche für Hundehasser, die Gift auslegen.
Natürlich hatte meine Mutter mit Dirks Züchter gesprochen und einige Wochen nach Dirks Tod rief der Züchter an und fragte, ob ein neuer Hund in unsere Familie ziehen könne.
Wegen Krankheit hatte eine Familie den einjährigen Olaf wieder zum Züchter gebracht, und Olaf wäre genau DER Hund, der zu uns passen würde.
Abgesehen von Olaf selber, der tatsächlich UNSER Hund war, war dieser Züchteranruf für uns die Lösung, weil nach dem schrecklichen Erlebnis mit Dirk noch keine Entscheidung getroffen werden konnte, ob wieder ein Hund zu unserer Familie gehören soll.
Olaf war genauso wie der Züchter ihn beschrieben hatte, schon nach ein paar Minuten hatte er alle für sich eingenommen und so sind wir, obwohl verabredet war, dass wir "nur mal gucken" wollten, mit Hund nach Hause gefahren.
Auf dem Bild kann man erkennen, dass Olaf ein wirklicher Riese war. Ich denke, dass es Setter geben wird, die nicht so stattlich sind wie Olaf es war.
Olaf hatte einen ganz speziellen Geschmack. Es ist vorgekommen, dass er sich von einem Keksteller "bedient" hat, aber natürlich nur die Kekse mit Schokolade genommen hat, die anderen mochte er nicht. Überraschend, weil man Cockern eigentlich nachsagt, dass sie bis zum Umfallen alles Essbare in sich hineinschlingen.
Es gab eine eiserne Regel: Olaf sollte nicht ins Bett. Wir hatten festgestellt, dass er - eigentlich sehr gut erzogen - sich trotzdem aufs Bett legte wenn er alleine war. Mein Bruder wollte ihn auf frischer Tat ertappen, täuschte vor, die Wohnung zu verlassen und schlich sich zum Schlafzimmer zurück. Er beugte sich vor, um um die Ecke zu sehen und sah Olaf in die Augen, der stand nämlich im Schlafzimmer direkt neben der Zimmertür und beugte sich auch vor, um um die Ecke zu sehen :-).
Olaf konnte man nichts vormachen, Olaf war clever, lieb, unheimlich sportlich, ein Hund mit Charakter, unbestechlich, nicht immer zum Schmusen auflegt, aber wenn, dann konnte er zum Riesen-Schoßhund mutieren.
Olaf ist sehr alt geworden. Er bekam Medikamente gegen Allergien, die im Sommer auftraten, bekam Herzmittel und eigentlich ging es ihm lange Zeit gut damit. Nach und nach wurde Olaf taub und blind und auch daran schien er sich zu gewöhnen ohne zu leiden.
Als er einen Schlaganfall erlitt und kurz danach einen zweiten, haben mein Vater und mein Bruder ihn in einer Kinderbadewanne nach draußen getragen, weil ein Spaziergang nicht möglich war. Der Tierarzt meinte, dass sich mit einer Spritzen-Kur sein Zustand bessern und stabilisieren würde. Ich weiß nicht mehr wie lange dieser "Versuch" unternommen wurde... Damals habe ich angefangen, mir bewusst Gedanken zu machen, was man seinem Hund zumuten darf, ob und wo es Grenzen gibt, ob der Tierarzt oder seine Menschen es besser erkennen können, wann die Zeit gekommen ist...
Lange Zeit hatte ich wenn ich an Olaf gedacht habe, den alten und kranken Hund vor Augen, wenn ich mich heute an Olaf erinnere, dann sehe ich den großen roten Cocker mit dem unglaublichen Fellglanz vor mir, der auffordernd bellt und Stöckchen geworfen haben möchte.