Von einigen Hundehaltern habe ich gehört, dass sie bewusst die Zeiten für Fütterung und Spaziergänge sehr flexibel gestalten, damit ihre Hunde nicht auf einen festen Ablauf fixiert sind.
Ich habe bei unseren Familienhunden und auch bei meinen Jungs die Erfahrung gemacht, dass "feste Zeiten" das Leben für den Hund berechenbarer und darum auch sicherer machen.
Auch wenn Hunde durchaus die Abwechslung zu schätzen wissen, wenn sie z. B. nicht bei jedem Spaziergang auf denselben Wegen geführt werden, lieben sie sonst "ihre Rituale" und ihre "festen Zeiten". Ich bin davon überzeugt, dass Hunde den Alltag mit einem "geregelten Ablauf" entspannter und gelassener erleben. So können sie auch ihre Ruhezeiten viel besser "planen". Hunde brauchen nämlich viel mehr Schlaf als manche meinen!
Meine Hunde mussten lernen, während ich im Büro bin, alleine Zuhause zu bleiben. (Nicht immer ist es möglich, sie als "Gasthund" zu meiner Mutter zu bringen.) In winzigen und behutsamen Schritten habe ich schon die ganz Kleinen daran gewöhnt, minutenweise alleine zu sein.
Ich bin wohl bei keiner einzigen Erziehungsaufgabe so konsequent vorgegangen... ganz einfach, weil ich überhaupt nur SO mit Hunden leben kann, bevor ich das Rentenalter erreiche... und auch dann muss es möglich sein, einen Hund kurz allein zu lassen ohne dass er dabei leidet.
Das Steigern der "Alleinbleibzeit" war jeweils einzig und allein abhängig vom einzelnen Hund und seiner individuellen Fähigkeit, das Alleinsein noch entspannt und ohne Angst zu ertragen.
Meinen Jahresurlaub und auch viele, viele Stunden "Gleitzeitguthaben" für die erste Zeit nach Wiederaufnahme der Arbeit, habe ich selbstverständlich immer für den Einzug eines neuen Familienmitgliedes eingeplant.
Zu schnelles Vorgehen bei diesem Training kann das Grundvertrauen des Hundes zerstören und die Zeit des Alleinseins für ihn zu einer absolut unerträglichen Qual werden lassen, die ihm seine Menschen nicht mehr zumuten können und dürfen. Eine Qual, die ihn in seiner Verzweiflung zum Bellen, Jaulen und Zerstören der Wohnungseinrichtung treiben kann, ihn vielleicht monotone Bewegungen und "selbstzerstörerisches" Verhalten wie Pfotenlecken, "Schwanzjagen/-beißen" usw. ausführen lässt oder ihn abstumpft zu einem Hund, der regungs- und teilnahmslos in seinem Korb liegt, lautlos trauert und leidet und das Interesse an seiner Umwelt und das Vertrauen in seine Menschen verliert.
In fast allen Hundebüchern ist beschrieben, wie das Training sich am besten aufbauen lässt.
Oft wird hierbei gesagt, dass man "so nebenher" und ohne Verabschiedung die Wohnung verlassen soll. Natürlich habe ich nie einen "Staatsakt" daraus gemacht und die Hunde dann mit ihrer Aufregung alleine gelassen, aber ich bin noch nie heimlich, unbemerkt von einem schlafenden Hund und nie ohne Verabschiedung weggegangen.
Zu unserer "offiziellen Verabschiedung" gehören immer die Worte: "Ich muss eben zur Arbeit, seid schön lieb und schlaft schön". Mit einem "Bis gleich, Jasper" und natürlich "Bis gleich, Ceddy" bekommen die Jungs dann nacheinander einen Hundekeks oder kleinen Zwieback und werden einmal "kurz" gestreichelt, bevor ich die Wohnung verlasse. Wenn ich mich mit diesem Ritual und diesen immer gleichen Worten ordnungsgemäß von ihnen verabschiede, höre ich keinen Laut im Treppenhaus.
Weil ich etwas vergessen habe, bin ich manchmal schon nach einigen Minuten zurückgekommen und habe dann meine Jungs beide zusammen "gestapelt" und tatsächlich schlafend in ihrem "Plüschkorb" vorgefunden. Mit Jasper alleine war es ähnlich, nur ist es natürlich viel schöner, wenn man mit einem Kumpel zusammen "allein" ist.
Vergesse ich einmal vor dem Verlassen der Wohnung dieses Ritual, weil ich nur eben zum Briefkasten oder Mülleimer will.... ich höre mit Sicherheit ein lautes Protestbellen - zumindest von Jasper!
Es heißt, dass sich Hunde nicht voneinander verabschieden. Ich kann das nicht wirklich beurteilen, habe dieser Behauptung auch nur meine Erfahrung mit unseren Hunden entgegenzusetzen. Rap begleitet uns immer(!) zur Tür, wenn ich mit meinen Jungs den Besuch bei meiner Mutter beende. Er macht keinerlei Anstalten mit uns zu gehen, er will einfach bis zum letzten Moment bei uns sein. Ich weiß nicht, ob ich "vermenschliche", aber für mich wirkt es immer wie seine Art "Tschüss, Jungs...bis bald!" zu sagen.
Wenn ich in der Mittagspause nach Hause komme, werde ich von den Jungs an der Tür begrüßt und sie warten, dass ich ihnen die Geschirre anziehe, um unsere Mittagsrunde zu drehen. Nachmittags läuft es genauso ab, wenn ich nicht den "Feierabend" vorgezogen habe.... dann nämlich überasche ich meist zwei schlafende Hunde, die mich noch nicht zurück erwartet haben. Schließlich kennen sie die Zeiten!
An meinen "freien Tagen" bestätigen mir die Jungs, dass sie diesen Ablauf ganz verinnerlicht haben. Richtig unternehmungslustig und aktiv werden sie nachmittags und erwarten dann (mit Recht!) meine volle Aufmerksamkeit.
Neben endlos vielen großen und kleinen "Ritualen", die ich in unser Leben eingebaut habe, sind die Jungs sehr erfinderisch, selber Verhaltensabläufe zu entwickeln, die sie in entsprechenden Situationen immer wieder gleich und zuverlässig ausführen.
Wenn ich in der Badewanne liege und sich Ceddy nicht ein "Nageteil" holt und damit ins Badezimmer mit Blick auf die Badewanne legt - wenn Jasper sich nicht vor die Wanne setzt, um mit den Vorderpfoten auf den Wannenrand zu springen und mit seiner Nase an mein Gesicht zu kommen... wenn Jasper sich hinterher nicht mein Badehandtuch von der Handtuchheizung runterzieht.... dann stimmt etwas nicht. Dann gehen bei mir sofort die "Alarmglocken" an und ich muss prüfen, was bei dem Jungen nicht in Ordnung ist und ich übersehen habe.
Auch wenn das Etablieren fester Zeiten zur "Pünktlichkeit" zwingt, es versklavt nicht. Die Jungs sind immer noch tolerant genug, einige Zeit zu warten - auch wenn sie mir natürlich mitteilen, dass es längst "Essens"- oder "Ausgeh"-Zeit ist.
Auch abends versuchen sie zwar, ins Schlafzimmer zu locken, legen sich aber dann doch noch eine Weile unter den Schreibtisch und auf meine Füße. Manchmal... wenn es aus ihrer Sicht nun doch viel zu lange dauert - gehen sie eben alleine ins Bett.
Nachtrag: Übrigens...haben Sie sich schon einmal selber kritisch beobachtet? Steuern Sie nicht zielstrebig im leeren Parkhaus immer denselben Platz an, obwohl der gar nicht für Sie reserviert ist? Wie reagieren Sie, wenn Sie sich in der Straßenbahn nicht auf "Ihren" üblichen Platz setzen können? Oder wenn Sie verspätet zur Konferenz kommen und "Ihr" Stuhl schon besetzt ist? Gibt es Ihnen nicht zu denken, wenn Ihr Chef morgens an Ihrem Büro vorbeigeht ohne wie üblich kurz rein zu kommen und Sie zu begrüßen?