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Öfter habe ich schon gehört, dass Cavaliere gebissen worden sind, ich kann mich jedoch nicht daran erinnern, dass Cavaliere als Angreifer von Beißereien beschrieben wurden.
Es stellt sich die Frage, ob es bestimmte Eigenschaften oder Merkmale gibt, die Hunde bei inner-artlichen Konflikten eher zu "Opfern" als zu "Tätern" machen.

Bekannt ist ohnehin, dass einigen Hunde auf Grund körperlicher Besonderheiten, bestimmtes Ausdrucksverhalten in der Kommunikation nicht möglich ist oder rassespezifische Eigenarten in Aussehen, Haltung oder Auftreten usw. von anderen Hunden fehlinterpretiert und zu Missverständnissen führen können.

Darüber hinaus scheint es noch andere Gründe zu geben, weshalb es bei der Kommunikation von Hunden zu Fehlern kommen kann.
Trotz einer allen Hunden gemeinsamen "Hundesprache" verfügen die verschiedenen Rassen offensichtlich über "unterschiedliche Dialekte".
Diese Dialekte können zu Verständigungsproblemen führen und damit Grund sein, weshalb Konflikte entstehen, bei denen Cavaliere vielleicht eher die "Opfer"-Rolle einnehmen.

"Die Geheimnisse der Hundesprache"
(Kosmos-Verlag ISBN 3-440-0908-1, Stanley Coren )

Im Kapitel "Hundedialekte" nimmt Coren zu dem oben angesprochenen Thema Stellung.

Er erläutert die zuerst auftretenden Signale, die wegen der besonderen Hilflosigkeit ganz junger Welpen vor allem dazu dienen  "Unterwürfigkeit" darzustellen, beschreibt dann komplexere Signale, die zur Äußerung von "Dominanz" dienen und die erst in der späteren Entwicklung hinzukommen.
Zusammen mit den Signalen, der Dominanz treten dann auch Signale auf, die deeskalierend wirken.  

Coren beschreibt weiter, dass der Cavalier nur über zwei der beim Husky festgestellten fünfzehn Signale aus dem Wolfs-Vokabular verfügt und dass diese beiden zu einem frühen Entwicklungszeitpunkt (bei Wolfswelpen von drei bis vier Wochen) auftreten, also Signale aus dem Bereich des "Unterwürfigkeits-Vokabulars" sind.
Die beim Husky später noch hinzu kommenden Signale beinhalten dann die bereits angesprochenen Ausdrucksformen der Aggression und auch der Beschwichtigungsgesten.

Eigentlich klingt es überzeugend. Hunde, denen die Menschen über lange Zeit ein besonderes Aussehen und auch Wesen angezüchtet haben, haben mit der Selektion auch mehr und mehr Ausdrucksmöglichkeiten ihres Urahnen verloren.
Je ursprünglicher und wolfsähnlicher die Hunde aussehen, so ergab die Studie, desto größer ist die Zahl der Signale, die sie sich aus dem Kommunikationsrepertoire des Wolfes bewahren konnten.
Hunde, die äußerlich eher dem "Kindchen"-Schema entsprechen, haben danach weniger Kommunikationssignale "abgespeichert", mit denen sie spezielle Aggressionszeichen als solche erkennen können. Ihnen fehlt damit die Voraussetzung, mit entsprechenden Demutsgebärden auf Aggressionssignale zu reagieren und dadurch eine Eskalation zu verhindern.

Trotzdem braucht kein Cavalierhalter in Angst zu verfallen, denn die individuellen Persönlichkeitsmerkmale des Hundes können bei einer solchen Studie nicht erfasst und berücksichtigt werden und diese gehören schließlich vorrangig dazu, wenn Hunde Hunden begegnen und entscheiden, ob sie einander "mögen" oder nicht.

Auch bedeutet es nicht, dass eine Hunderasse als "aggressiver" anzusehen wäre.

Das Wissen um ein besonderes Merkmal oder eine "Schwäche" bietet immer auch die Möglichkeit, durch sinnvolle Maßnahmen fördernd auf die Entwicklung einzuwirken.

Und wenn es die einfache Übung ist, seinen Welpen und Junghund mit Hunden anderer Rassen spielen zu lassen, denn ganz nebenbei lernen sie dabei auch deren "Dialekt" kennen.

Wieder ein Thema, bei dem die züchterische Klugheit der Cavalier-Züchterin Karin Petersohn deutlich wird.

In ihrem "gemischten Rudel" konnten die Cavaliere von Anfang an erleben, dass andere Hunde manchmal etwas "anders sprechen". Karins Welpen verstanden, was die Berner ihnen "sagten".