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Das Leben mit Menschen und auch mit Hunden wird ohne gegenseitiges Vertrauen nicht funktionieren, jedenfalls nicht, wenn es von Nähe und Partnerschaft geprägt sein soll.

Wenn ein Hund seinen Menschen als berechenbar erlebt, als Helfer und Beschützer, dann wird er ihm auch in kritischen Situationen Vertrauen entgegenbringen und seine Nähe suchen.
Andererseits wird auch ein Mensch nur eng und glücklich mit seinem Hund zusammen leben, wenn auch er seinem Hund vertrauen kann.

Bei meinem Cocker Lucky habe ich erlebt, wie der Alltag aussieht, wenn diese Basis fehlt. Ob die Ursache für Luckys wütende Beißattacken Angst und mangelndes Vertrauen in alle Menschen war, kann ich nicht sagen, ich weiß aber, dass ich immer gezweifelt habe und Angst hatte, aus heiterem Himmel gebissen zu werden. Ich war mir nie sicher, was in Lucky vorging, rechnete immer mit einem Wutanfall und habe ihm letztlich nach den ersten Beißvorfällen nie mehr richtig vertrauen können.

Hunde haben ein sehr feines Gespür für ihre Menschen. Sie erkennen Stimmungen an Tonfall und Körperhaltung und dann natürlich auch am Verhalten des Menschen. Sie sind die perfekten Beobachter.
Nimmt ihr Mensch die Flasche mit dem Ohrreiniger in die Hand, reagieren sie anders als wenn er nach der  Schachtel mit den Leckerlies greift. Oft erkennen sie sogar, während ihr Mensch sich Schuhe anzieht, ob er gleich alleine das Haus verlassen wird oder ein gemeinsamer Spaziergang beginnt.

Ich kann darum nicht sagen, ob ich durch mein nervöses Angespanntsein und durch meine eigene Unsicherheit dazu beigetragen habe, dass ich für Lucky nicht berechenbar war. Vielleicht hatte er tatsächlich - obwohl es von mir nie körperliche oder anders geartete "Übergriffe" gegeben hat - immer selber Angst vor mir und konnte mir darum letztendlich auch nicht mehr vertrauen.

An sich sind Hunde meist offener als Menschen und begegnen Fremden oft mit einem größeren Vertrauensvorschuss als Menschen, die doch erst  länger beobachten, abwarten  und "abschätzen".
Auch scheinen Hunde weniger nachtragend zu sein als Menschen und verzeihen Fehlverhalten viel leichter.
Wer hat nicht schon Berichte über misshandelte und verprügelte Hunde gesehen, die bei einer Vermittlung nach einiger Zeit wieder bereit waren, ihren neuen Menschen zu vertrauen. Menschen, die von einem Hund angegriffen und vergleichbar verletzt wurden, werden nur schwer wieder "normal" mit einem Hund umgehen können. Eigentlich müsste man - gemessen an menschlicher Reaktion -doch erwarten, dass misshandelte Hunde den Menschen nur noch als wütend attackierende "Beißer" begegnen oder vor ihnen die Flucht ergreifen.

Auf einer Tierschutzseite habe ich einmal eine ganz traurige und grausame Videoaufnahme, die "heimlich" aufgenommen worden war, gesehen. Es wurde ein Mann gezeigt, der in einem Hinterhof mit einer schweren Holzlatte auf einen Schäferhund einprügelte. Der Hund schrie und versuchte zu flüchten und als der Mann die Latte senkte, näherte sich der Hund ihm trotzdem wieder, zeigte dabei aber keine Aggression, sondern eher Beschwichtigungsverhalten und schien das Ganze nicht zu verstehen. Ich habe nicht verstanden, weshalb der Hund nicht weggelaufen ist, die Möglichkeit hätte er vielleicht gehabt. Und dann hob der Mann wieder die Holzlatte und schlug erneut brutal auf den Hund ein... Das Ganze wiederholte sich, das Video konnte ich mir nicht zu Ende ansehen, ich weiß darum nicht, ob der Hund diese Grausamkeit und Brutalität überlebt hat.

Im Internet kann man Filme sehen, die eine Art von Hundeausbildung zeigen, bei der durch Hilfsmittel oder durch die harte Art der Leinenführung Zwang auf den Hund ausgeübt wird, am Ende sieht man dann Hunde, die eingeschüchtert, geduckt und ängstlich neben dem Menschen gehen. Was die Trainer dann als Erfolg des "Leinenführigen" und nicht mehr "Leineziehenden" Hundes verbuchen, ist in meinen Augen das erschreckende Bild eines "gebrochenen" Hundes, der auch das letzte Vertrauen in seinen Menschen verloren hat. Ich frage mich, welche Zwangmittel in anderen Situationen eingesetzt werden müssen und ob der Druck von Mal zu Mal verstärkt werden muss, damit die gleiche Wirkung erzielt wird und der Hund sich weiter ohne Gegenwehr ergibt.

Es gibt den Spruch "nur ein überzeugter Hund" ist ein guter Hund. Wenn die Basis geschaffen ist und ohne Zwang ein Verhalten erreicht, das von Vertrauen und gegenseitigem Respekt getragen wird, dann braucht es auch in kritischen Situationen keinen Druck und keine Strafen.

Ich glaube, dass es auch in der Mensch-Hund-Beziehung zu einem Vertrauensbruch kommen kann... leider wird es fast nur der Mensch sein, der seinen Partner aus einer Laune, aus mangelnder Verantwortung, Unzuverlässigkeit oder auch aus Schwäche verrät.