Bauch- oder Rückenweh

Charly

 

 

Jeder Hundefreund kennt dieses mulmige Gefühl und die Sorge, wenn man bemerkt hat, dass etwas mit dem Hund nicht stimmt, man aber nicht eingrenzen kann, ob der Hund Schmerzen hat oder etwas anderes nicht in Ordnung ist.  

 

Dass ein und dieselben Hunde oft unterschiedlich stark auf Schmerzen reagieren, ist nichts Neues und macht die Sache für uns Menschen nicht einfacher.

 

Schon einige haben sich darüber gewundert, dass ihr Hund bei einem kleinen Steinchen zwischen den Fußballen auf dem Spazierweg stehen bleibt, mit theatralischer Geste die Pfote anhebt und leidend seinen Menschen ansieht,damit er diesen schlimmen Schmerz doch endlich beenden möge.  

 

Und genau diese Hunde können es dann sein, denen man eine ernste oder schwerere Verletzung nicht direkt anmerkt, weil sie eben nicht immer wehleidig reagieren oder sofort in einen Humpelgang verfallen.

 

Hunde sind – so hört man immer wieder - weniger schmerzempfindlich als Menschen und können auch Dauerschmerzen besser ertragen. Ich weiß nicht, ob das so zutrifft, aber im Zweifel sollte man seinem Hund doch immer Schmerzen ersparen…auch wenn dafür zum Beispiel im Alter einer Dauergabe von Medikamenten erforderlich wird.

 

Geht es Ihnen auch so…, für mich ist immer ein Kriterium, ob der Hund fressen oder auch seinen Spaziergang machen möchte. Ganz so vereinfacht darf man es sicher nicht sehen, aber wenn der sonst gute Esser nichts nehmen möchte und auch der Spaziergang nicht wie sonst freudig angetreten wird…. dann stimmt ganz einfach etwas nicht, jedenfalls wären das für mich Gründe, meine Jungs ganz, genau  zu beobachten.

 

Sie können sich darum sicher vorstellen, wie besorgt ich war als mein Cocker Charly an einem Tag nichts von seinem Futter anrühren mochte und auch kaum auf einen Spaziergang zu bewegen war.  

Charlys Rücken war vom Hals bis zur Rute bretthart und auch der Bauch fühlte sich hart und verkrampft an. Er konnte sich nur zögerlich und sehr vorsichtig hinlegen, auch das Aufstehen machte ihm Beschwerden und beim Laufen zeigte er alles andere als einen „runden und flüssigen“ Gang.

 

Ich machte mir Sorgen und darum wollte ich nicht noch einen Tag beobachten, sondern ging nachmittags mit ihm zum Tierarzt.Der meinte nach einer gründlichen Untersuchung, bei der er Charly auch abgehört hatte, dass der Verdacht auf einen Fremdkörper im Bauch bestehe. Charly könnte draußen etwas aufgenommen haben, ein Pfirsichkern oder ähnliches könne stecken geblieben sein und die normale Magen-Darm-Passage stören.

 

Er spritzte Charly ein krampflösendes Medikament und gab mir etwas Bariumsulfat-Pulver mit.  

Heute denke ich, wenn es damals schon ein Ultraschallgerät in einer Veterinärpraxis gegeben hätte, wäre der Ablauf sicher ein andrer gewesen.

Jedenfalls sollte ich das Pulver abends in Wasser auflösen und Charly mit einer Spritze in den Mund geben.  

Am nächsten Morgen dann würde in der Praxis eine Röntgenaufnahme des Abdomens gemacht und man könne verfolgen, ob das Kontrastmittel ohne Hindernis den Magen und Darm-Trakt hätte passieren können.

Tags darauf hatte sich an Charlys Befinden nichts geändert,  im  Gegenteil, er hatte nichts gefressen, mochte sich nicht bewegen und machte einen richtig kranken Eindruck.

 

Als der Tierarzt die Röntgenaufnahme aus der Entwicklungsmaschine nahm, stellte er sofort fest, dass die Magen-Darm-Passage des Kontrastmittels ohne Auffälligkeit verlaufen war, man sah auf dem Transparentfilm die weiße Kontrastmittelspur, die ohne Unterbrechung oder deutliche Verschmälerung von oben nach unten fast  den gesamten Verdauungstrakt darstellte.Der Arzt betrachtete das Bild an dem Leuchtkasten und stellte schließlich fest, dass die Belichtung der Aufnahme für eine Magenuntersuchung eingestellt war und  darum auch nicht optimal für Aufnahmen von Knochen oder Wirbelsäule ausfiel.

Trotzdem war zu erkennen, dass zwischen einigen Wirbelkörpern der Lendenwirbelsäule der Abstand schmaler war als in anderen Weibelsäulenabschnitten.

 

 

Die krampflösende Spritze wirkt hilfreich bei Verkrampfungen der inneren Organe, greift aber nicht wirklich bei Rücken und Bandscheiben-Beschwerden, darum also hatte sich Charlys Befinden trotz der Spritze am Vortag nicht gebessert.

Als ich dem Tierarzt sagte, dass die Spritze, das Barium und die Röntgenaufnahme dann ja umsonst gewesen wären… meinte er umsonst nicht,wenn schon dann vergeblich, aber das treffe ja auch nicht zu, weil wir die Lösung für Charlys Problem und damit einen Therapieansatz gefunden hätten.

 

Übrigens war dieser Tierarzt – bis er aus Altersgründen seine  Praxistätigkeit  aufgegeben hat – ein ganz besonderer Arzt, der freundlich, kompetent und menschlich bei seinen Patienten und den Patientenhaltern - wie auch bei Charly und mir - gleichermaßen überaus beliebt war.