MVD-Genforschung 2011

Wie in meinem Aufsatz über die "Mitral-Valve-Disease" beschrieben, ist die Herzkrankheit bei den Cavalieren seit vielen Jahren bekannt. Bekannt ist auch, dass die Veranlagung zu dieser Krankheit vererbt wird.

 

Es wurden bereits 1998 bei einer Konferenz internationaler Spezialisten Zuchtempfehlungen formuliert, die dazu beitragen sollen, zunächst das Erkrankungsalter hinauszuzögern. Die wichtigsten Forderungen sind, bei Cavalieren ein Mindestalter von 2,5 Jahren für den ersten Zuchteinsatz einzuführen. Wenn Cavaliere in diesem Alter ein gesundes Herz haben und auch ihre (5-jährigen) Eltern herzgesund sind, ist dieses die beste Voraussetzung, für die Nachkommen ein sehr junges Erkrankungsalter zu verhindern.

Die Wissenschaftler waren bereits 1998 der Meinung, dass Herzultraschall und Doppler die beste Diagnosemöglichkeit bieten, hielten jedoch auch die Auskultation durch einen begrenzten Untersucherkreis von kardiologisch erfahrenen Spezialisten für einen gangbaren Weg.

In meinem Aufsatz habe ich detailliert aufgelistet, welche Zuchtmaßnahmen heute von den verschiedenen Vereinen im In- und Ausland eingesetzt werden und habe an anderer Stelle auch auf die Schwedische Studie verwiesen. Die Studie aus dem letzten Jahr veranschaulicht, dass mit den Expertenempfehlungen von 1998 tatsächlich nur eine Mindestforderung formuliert wurde und Kompromisse (in Schweden ein geringeres Alter) einen Erfolg beeinträchtigen werden.

 

Da die internationalen Empfehlungen fast überall nur "halbherzig" übernommen wurden, war es keine Überraschung, dass in den letzten Jahren Zahlen internationaler Untersuchungen veröffentlicht wurden, wonach sich das Erkrankungsalter seit 1998 nicht verändert hat. Weiterhin muss nach der Statistik  bei jedem zweiten 5-jährigen Cavalier von der Diagnose MVD ausgegangen werden.

 

Bereits im November vorigen Jahres habe ich darüber geschrieben, dass es keine aktuellen gesicherten Zahlen und Studien zur Herzsituation deutscher Cavaliere gibt. Hinweise darauf, dass eine neue Studie angestrebt wäre, lassen sich auch heute nicht finden.

 

In Forums-Diskussionen mit Züchtern sprechen weiterhin einige von einer Verbesserung der Situation,  andere Züchter scheinen das Problem weiter zu verleugnen oder zumindest keinen akuten Handlungsbedarf zu sehen, wenn sie auf herzkranke Hunde anderer Rassen verweisen. Ein anderer Teil der Züchter weist auf den offensichtlich sehr komplexen Erbgang hin und erhofft sich - wie auch bei der Syringomyelie - die Lösung durch einen DNA-Test.

 

Inzwischen gibt es DNA-Tests  für zwei andere bei Cavalieren vorkommende Erkrankungen. Wie auf Vereinsseiten oder auch in Foren zu lesen, wurden diese Tests jedoch bisher nicht in das Pflichtprogramm für Cavalierzüchter übernommen. Zwar wird berichtet, dass diese neue Möglichkeit von einigen engagierten Züchtern genutzt wird, alles aber auf freiwilliger Basis.

Darauf, dass alle Cavalier-Welpen - zumindest Welpen mit Ahnentafeln der drei dem VDH angeschlossenen Cavalier-Vereine - garantiert von mindestens 2,5 Jahre alten Hunden abstammen, bei denen alle zur Verfügung stehenden und von Experten empfohlenen Untersuchungsmöglichkeiten genutzt wurden, hofft der um die Gesundheit besorgte Welpeninteressent also weiterhin vergebens.

 

Jetzt sind auf Rod Russels' umfassender Infomationsseite zur Cavaliergesundheit die ersten(!)  - in diesen Tagen veröffentlichten - Ergebnisse der internationalen MVD-Genforschung nachzulesen. Ein (kleiner, aber Hoffnung machender) Anfang ist gemacht, auf zwei Chromosomen konnten Regionen lokalisiert werden, in denen sich die veränderten Gene befinden müssen.
Sicherlich werden sich die weiter erforderlichen Forschungsarbeiten über einen deutlich längeren Zeitraum erstrecken als für die beiden anderen bereits vorhandenen Gen-Tests. Immerhin unterliegen sowohl das  Dry-Eye-Curly-Coat-Syndrom  als auch das Episodic-Falling-Syndrom einem Erbgang, an dem nur ein einzelnes verändertes Gen beteiligt ist.

 

Trotzdem.... ein Anfang ist da und die Hoffnung, dass in absehbarer Zeit ein Test entwickelt werden kann, der dann hoffentlich auch tatsächlich in der Cavalierzucht zum Einsatz kommt.