Schmerzen
Da Hunde uns nicht sagen können, ob es ihnen gut geht oder nicht, ob sie Schmerzen haben, ob ihnen übel ist oder ob sie nichts essen mögen usw., sind wir auf unsere Beobachtungen angewiesen.
In einigen Fällen macht der Hund uns durch Lautäußerungen wie ein Aufheulen oder ein Winseln auf Schmerzen aufmerksam.
Wenn er humpelt oder eine Pfote gar nicht mehr aufsetzt, erkennen wir oft direkt eine Wunde oder einen Fremdkörper im Pfotenballen.
Wenn keine offensichtliche Verletzung festzustellen ist, können wir vielleicht durch ein vorsichtiges Abtasten von Bein und Pfote den Schmerz lokalisieren - etwa weil der Hund aufjault, die Pfote wegzieht oder sich beschwichtigend über die Nase leckt wenn es ihm besonders weh tut.
Wenn der Hund ein gerötetes Auge hat, das er ständig zukneift, wenn er Durchfall hat oder Erbrechen, wenn er niest oder hustet, wenn er seine Ohren schüttelt und den Kopf schief hält usw. usw. bemerken wir ohne genaues Beobachten, dass etwas nicht in Ordnung ist und wo er Beschwerden hat.
In vielen Fällen sind jedoch die Symptome nicht so offensichtlich, so fällt uns dann vielleicht nur auf, dass der Hund nicht essen möchte oder - ganz anders als sonst - keine Lust zum Spaziergang hat. Er zieht sich vielleicht zurück, versteckt sich unter einem Bett oder reagiert empfindlich und weicht bei Berührung aus.
Er scheint vielleicht eigentlich ganz in Ordnung zu sein, hält aber seinen Kopf und Halsbereich gesenkt, geht etwas vorsichtig oder langsam, mag nicht springen oder keine Treppen steigen.
Wir Hundehalter kennen es alle..., wir bemerken diese und jene Auffälligkeit, die an sich nichts Besonderes ist, aber von dem üblichen Verhalten abweicht und uns anzeigt, dass "etwas" nicht stimmt.
Manchmal scheint es auch einfach nur ein Gefühl zu sein und wir spüren - weil wir unbewusst etwas wahrnehmen -, dass sich unser Hund nicht wohlfühlt, können es aber nicht wirklich an etwas festmachen.
Je subtiler die Anzeichen sind desto genauer müssen wir hinsehen, je sensibler wir Besonderheiten wahrnehmen desto eher bemerken wir Untypisches.
Wir kennen unseren Hund am besten und wissen genau, ob er zu den "Wehleidigen" gehört oder ob er sich nichts anmerken lässt bis gar nichts mehr "geht".
Mein Jasper kann beim Spaziergang wie eine Mimose stehen bleiben, theatralisch seine Pfote anheben und mich mit wehleidigem Blick ansehen, damit ich auch schnell den winzig kleinen Ast entferne, der sich in der langen Befederung seines Beins verfangen hat und beim Gehen so unangenehm "ziept". In anderen Situationen - etwa bei Spritzen oder Blutabnehmen - zeigt er keinerlei Schmerzreaktion und erträgt - scheinbar! - alles heldenhaft.
Wenn wir schon in "Akutsituationen" manchmal sehr genau hinsehen müssen, wie können wir sicher sein, dass uns schleichende Veränderungen - etwa bei einer chronischen Erkrankung - nicht entgehen?
Dass wir Veränderungen nicht bemerken, die anderen die den Hund nicht täglich sehen, viel eher auffallen. Andere bemerken vielleicht direkt, dass sein Fell etwas weniger glänzt oder sie merken
beim Streicheln, dass er weniger Muskulatur hat als früher.
Aus der Human-Medizin ist bekannt, dass es ein Schmerzgedächtnis gibt und chronisch kranke Menschen mit "Dauerschmerz" im Rahmen einer Schmerztherapie speziell behandelt werden. Wie sieht es bei
Hunden aus?
Wann kann eine Veränderung dem "Älter-Werden" angelastet werden und wann steckt eine Erkankung dahinter?
Oft muss man es im Gefühl haben, wann man seinen Hund mit "unspezifischen Geschichten" dem Tierarzt vorstellen sollte und wann man noch zuwartet und beobachtet. Im Zweifel - ich gehöre da zu den ganz Vorsichtigen - lieber einmal zuviel zum Tierarzt als einmal zu wenig...
Ich kann mich erinnern, dass die Schmerzbehandlung beim Hund vor einigen Jahren kein großes Thema war. Nicht etwa, weil die Hunde früher keine Schmerzen hatten, sondern weil Analgetika sehr viel zurückhaltender verabreicht wurden. Auch heute noch wird diskutiert, ob etwa bei Rückenschmerzen eine Medikamentengabe kontraproduktiv sein könnte, weil Hunde sich bei Schmerzfreiheit unbekümmerter bewegen und womöglich zu stark belasten.
Alle "Rückengeplagten" wissen wie ich aus eigener Erfahrung, dass erst durch Schmerzfreiheit Schon- und Fehlhaltungen vermieden und damit ein möglicher "Teufelskreis" unterbrochen wird. Wie aber einen bewegungsfreudigen Hund daran hindern, sich zuviel zu belasten?
In einem DogWorld online Artikel: http://www.dogworld.co.uk/News/25-Measure ist zu lesen, dass aktuell im Rahmen eines Doktoranden-Stipendiums ein dreijähriges Forschungsprojekt an der Universität in Bristol startet, bei dem es genau um dieses Thema geht.
Untersucht werden soll, wie chronische Schmerzen festgestellt, "gemessen" und behandelt werden können, um dadurch die Lebensqualität zu verbessern und auch um ggf. das Verhalten - insbesondere Verhaltensänderungen wie Schmerz-bedingte Aggression - positiv zu beeinflussen.
Die Forschung soll sich auf Syringomyelie- und auf Arthrose-Patienten beziehen, wobei die Ergebnisse auch auf andere Erkrankungen mit chronischen Schmerzzuständen übertragbar sein dürften.