Zucht-Untersuchung
© Rena V. Gellert Frido
Leider sind bei fast allen Hunderassen (Erb-)Krankheiten bekannt. Die Aufgabe der die Hunderassen betreuenden Zuchtvereine ist es dann festzulegen, welche Gesundheitsuntersuchungen die Züchter verpflichtend bei ihren Zuchthunden durchzuführen haben.
Auch wenn trotz dieser Untersuchungen keine Garantie für vollkommene Gesundheit und ein langes Leben gegeben werden kann, schaffen sie doch die bestmögliche Voraussetzung für Welpen, dass sie nicht an den "rassetypischen" Krankheiten leiden werden.
Das Wissen über den Gesundheitszustand der Zuchthunde ermöglicht einerseits eine Zuchtplanung bei der besonders risikoreiche Verpaarungen vermieden werden können und hilft andererseits zu erkennen, welche Hunde ganz von der Zucht ausgeschlossen werden sollten.
Bei der Zucht einiger Hunderassen kann auf Gentests für verschiedene Krankheiten zurückgegriffen werden, so wird den Cavalierzüchtern in absehbarer Zeit ein Gentest für das Espisodic Falling Syndrom zur Verfügung stehen.
Mit Hilfe eines solchen Gentests kann erkannt werden, ob ein Hund, der selber selber gesund ist und das Krankheits-Merkmal nicht zeigt, in seinem Erbgut Anlagen für die Erkrankung trägt und an seine Nachkommen vererben kann.
Bei all den Krankheiten für die es solche Gentests nicht - oder noch nicht - gibt, können nur durch Untersuchungen die Merkmalsträger erfasst werden.
In meinen Aufsätzen über die Syringomyelie und die Mitralklappenendokardiose habe ich darüber berichtet, welche Empfehlungen die Mediziner und Forscher für die Zucht der Cavaliere machen.
Diese Empfehlungen orientieren sich immer an dem aktuellen Forschungsstand und werden bei neuen Erkenntnissen auch modifiziert. Noch weiß man sowohl bei SM als auch bei MVD zu wenig über den genauen Erbgang.
So sind in Ergänzung zu diesen Untersuchungen immer auch die Erfahrung und das Wissen des Züchters unverzichtbar.
Ein Beispiel hierfür ist die Herzerkrankung. Man weiß zwar inzwischen, dass es eine sehr langsam fortschreitende Form der Herzerkrankung gibt und eine andere Form, die einen schnellen und dramatischen Verlauf nehmen kann.
Trotzdem ist es den Experten im individuellen Fall auch durch die Spezialuntersuchungen nicht möglich zu erkennen, ob der jeweilige betroffene Hund bei geringer Einschränkung seiner Lebensqualität ein hohes Alter erreichen kann oder ob sich sein Zustand schnell und deutlich verschlechtern wird. Auch weiß man noch nicht, welche äußeren Faktoren einen Einfluss auf das Fortschreiten haben. Sicher ist, dass gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und optimales Körpergewicht von Bedeutung sind.
Immer wieder ist darüber zu lesen, dass es bestimmte Linien gibt, in denen die Hunde ein besonders hohes Alter erreichen. Ein Hund, dessen Ahnen ein sehr hohes Alter erreicht haben, hat gute
Chancen selber uralt zu werden.
So wird ein Züchter, der seine Zuchthunde auch nach ihrer "aktiven Zeit" bei sich behält und den Kontakt zu den Welpenkäufern nicht abbricht, sehr viel über die "Langlebigkeit" seiner Linien
wissen.
© Rena V. Gellert Frido
Es gibt einige Züchter, die sich sehr für die Gesundheit engagieren und die wichtigen von den Veterinär-Experten empfohlenen Untersuchungen bei ihren Hunden durchführen lassen. Wenn diese Züchter den Deckrüden eines anderen Züchters einsetzen wollen, werden sie ebenfalls entsprechende Gesundheitszertifikate voraussetzen.
Auf den Internetseiten der Vereine kann der Welpeninteressent nachlesen, welche Pflichtuntersuchungen für "seine" Rasse vorgegeben sind.
Selbst innerhalb eines Verbandes können sich in Vereinen, die eine Rasse betreuen, schon unterschiedliche Vorgaben finden.
Es lohnt sich die einzelnen Vereinsseiten genau zu studieren, denn - und das wird einige Liebhaber "erstaunen" und nachdenklich machen - sogar innerhalb eines Vereins kann es Abstufungen in den geforderten Untersuchungen für die eigene Traumrasse geben.
Zusätzlich zu den allgemein gebräuchlichen und bekannten Zuchtbezeichnungen wie Standard- und Körzucht werden dann auch Bezeichnungen wie 'Elite'- oder 'Premium-Körzucht' genannt.
Die Zucht-Klassen unterscheiden sich nicht nur in irgendwelchen "Ausstellungsgeschichten", die dem Liebhaber egal sein könnten, sondern in den bei den Zuchthunden durchzuführenden und zu bestehenden Gesundheitstests. Diese sollten aber doch - zumindest nach dem Verständnis eines Liebhabers - eigentlich bei allen STANDARD sein.
Im persönlichen Gespräch mit dem Züchter kann der Welpeninteressent am besten erfahren, welche Untersuchungen durchgeführt werden, ob der Züchter sich nur an Minimalstanforderungen seines Vereins orientiert oder deutlich mehr leistet.
Schließlich werden hoffentlich Züchter, die ihre Hunde bisher nicht so genau und gründlich untersuchen lassen, durch das Vorbild ihrer mehr leistenden Züchterkollegen und durch kritische Nachfragen der Welpeninteressenten dazu animiert, alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten einer sinnvollen und dem Expertenrat folgenden Gesundheitsvorsorge zu betreiben.
Die Nachkommen von weniger gut untersuchten Zuchthunden müssen zwar nicht krank sein/werden, allerdings wird durch den Verzicht auf empfohlene Untersuchungen ein vermeidbares und höheres Gesundheitsrisiko für diese Welpen eingegangen.
Die Frage ist, ob man als Welpenkäufer bereit ist, dieses Risiko gemeinsam mit seinem Hund zu tragen.