Offener Brief Dr. C. Rusbridge vom 28.2.2011
In Ihrem Blog verlinkt Dr. Clare Rusbridge einen offenen Brief http://www.veterinary-neurologist.co.uk/docs/letter%20animal%20foundation%20_netherlands.pdf, in dem sie zu einer Initiative der niederländischen Tierrechtsorganisation Stellung nimmt. Die Organisation ist bemüht angsichts der extremen Belastung durch Erbkrankheiten ein Zuchtverbot von Cavalieren - ggf. auf gerichtlichem Weg - zu erstreiten.
Dr. Rusbridge bestätigt in ihrem Schreiben zunächst, dass Cavaliere durch verschiedene Krankheiten (z. B. SM und MVD) stark belastet seien. Im Gegensatz zu den Belastungen anderer Hunderassen - sie nennt als Beispiele brachycephale Hunde oder Hunde mit ausgeprägten Hautfalten - beruhten die Probleme bei Cavalieren jedoch nicht auf einem züchterisch gewollten Erscheinungsbild. Die Annahme, CM sei eine Folge der Selektion auf eine bestimmte Kopfform, sei unbewiesen und zu vordergründig, es müssten ausserdem alle "Toy"-Rassen betroffen sein.
Dr. Rusbridge geht dann sehr ausführlich auf den engagierten Einsatz der niederländischen Züchter ein.
Zu einer Zeit, in der in anderen europäischen Ländern und in den USA Scan-Empfehlungen auf Ablehnung gestossen seien oder die Züchter "CMSM" nicht einmal als Problem anerkannt hätten, seien in den Niederlanden bereits Screening-Programme etabliert worden.
Die von den niederländischen Züchtern finanzierten MRT-Untersuchungen sowie auch die in den Niederlanden gesammelten DNA-Proben seien in die Forschung eingebracht worden und dabei von erheblichem Nutzen gewesen. Aktuelle Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass SM in der niederländischen Cavalierpopulation abnehme und Cavaliere in den Niederlanden womöglich weltweit die gesündesten sein könnten. Für die weiteren SM-Forschungen sei schon deshalb genetisches Material aus den Niederlanden von großer Bedeutung.
Aus diesem Grund hält Dr. C. Rusbridge das angestrebte Zuchtverbot zum jetzigen Zeitpunkt für nicht richtig.
Im Folgenden stellt Dr. Rusbridge Zuchtempfehlungen dar, wobei sie unter anderem besonders betont, dass MRT Untersuchungen für die Planung von Verpaarungen unverzichtbar seien.
Obwohl Zuchtmaßnahmen positive Ergebnisse zeigen würden, sei ein Wegzüchten besonders dadurch erschwert, dass dem Befund CMSM ein sehr komplexer Erbgang zu Grunde liege. So könnten - in Ergänzung zu dem beteiligten Gen/den Genen - auch noch andere Faktoren Einfluß haben.
Weiter handele es sich bei SM um eine spät auftretende und auch fortschreitende Erkrankung, was zwangsläufig die Zuchtplanung erschwere. Ganz besondere Bedeutung komme darum bei Zuchtplanungen neben Untersuchungsbefunden und dem möglichst hohen Alter der Zuchthunde auch der Kenntnis über Gesundheitszustand resp. Untersuchungsergebnisse der Ahnen-Generationen zu.
Hieraus ergebe sich auch die Bedeutung der geplanten und derzeit in England diskutierten Einrichtung von Datenbanken zur Erfassung von Untersuchungsergebissen. Hier würde Dr. Rusbridge auch gerne die Ergebnisse der niederländischen Cavaliere einbeziehen.
Die SM-Spezialistin Dr. Rusbridge spricht weiter darüber, dass der Zuchteinsatz von asymptomatischen Hunden mit SM Befund im MRT - wenn sie bezüglich anderer Erkrankungen keine Disposition aufweisen - zur Verhinderung eines "genetischen Flaschenhalses" beitragen könne. Die besonderen Anforderungen, die für den anderen Hund einer solchen Verpaarung anzulegen sind (SM-frei; höheres Lebensalter) erläutert Dr. Rusbridge ausführlich.
Dr. Rusbridge schließt ihren Brief mit der Feststellung, dass die Situation in der Zukunft neu überprüft werden müsse, speziell "wenn/falls" CMSM Gene gefunden seien. Es könne sich dann z. B. eine Verlagerung bei der Zuchtplanung auf Genteste ergeben.
Es könne sich allerdings auch herausstellen, dass ein Wegzüchten von SM überhaupt nicht möglich ist, falls eine zu enge Verbindung zu der in der Rasse allgegenwärtigen CM bestehen sollte. Sollte dieses der Fall sein und bewiesen werden, könnten radikalere Maßnahmen bei der Cavalierzucht erforderlich werden. Dann müsse sogar zur Einführung neuer DNA an eine Auskreuzung gedacht werden.
Soweit meine kurze Zusammenfassung des 3-seitigen Briefes, den Dr. Clare Rusbridge im Februar geschrieben hat.
Dieser Brief kann jeden Cavalierfreund nur sehr nachdenklich machen. Zwar lässt sich aus einigen Untersuchungsergebnissen womöglich eine positive Tendenz ableiten, dennoch scheinen trotz jahrelanger intensiver Forschung viele Faktoren letztendlich so ungeklärt zu sein, so viele Fragen noch offen, dass verlässliche Prognosen nicht möglich sind.
Natürlich ist es nur seriös, wenn ein Experte den Sachverhalt klar und sachlich darlegt, mögliche Perspektiven realistisch darstellt und keine falschen Versprechungen macht, trotzdem lesen Cavaliermenschen diesen Text mit einem Wunsch, der leider nicht erfüllt wurde/werden konnte.
Zitat aus dem Dr. Rusbridge Brief (S. 1, 2. Absatz - letzter Satz):
"...However we would be against a complete ban on breeding these dogs at this time..."
Zitat aus dem Dr. Rusbridge Brief (S. 2, 1. Abstatz - erster Satz):
"...The other reason why we think that it is premature to ban the Cavalier King Charles Spaniel at this time is..."
Zitat aus dem Dr. Rusbridge Brief (S. 2, 3. Absatz - erster Satz):
"...It ist therefore our opinion that the Dutch Cavalier King Charles Spaniel should not be banned at this time..."
Nicht nur die Worte "at tis time" und "premature" - mit denen Dr. Clare Rusbridge ihren Widerspruch gegenüber der Forderung der Tierrechtler wiederholt einschränkt - machen den Cavalierfreund so traurig....