Aufklaerung
© Rena V. Gellert Frido
Überzeugte Fütterer von Fertignahrung sind selten Mitglied eines BARF-Forums.
Halter von Rassehunden suchen in einem Tierschutzforum wohl nicht nach Ratschlägen für standardgemäße Fellpflege und "Ausstellungstraining".
Agility- oder Hundeleistungssport-Foren bieten für Halter gemütlicher Hunde sicher wenig Anregung.
Impfer "nach-Standard-Plan" oder Homöopathie-Anzweifler suchen wahrscheinlich nicht nach einem Forum für alternative Tiermedizin.
Die Aufzählung kann endlos werden.... zu allem rund um den Hund gibt es Foren, die für den einen "passen", für den anderen weniger und für den nächsten eben gar nicht.
In Teilbereichen überschneiden sich viele, überall gibt es das Café, in dem Gleichgesinnte Spaß haben können. Doch schon die Witze, über die man lacht, können manchmal so unterschiedlich sein wie es die Menschen auch sind, die den verschiedenen Foren angehören.
Die Zielsetzungen der Forumsgründer unterscheiden sich häufig ganz deutlich. Falls hierbei eine Meinung, bei der PRO und CONTRA noch diskutiert werden könnten, zu einer Art Weltanschauung hochstilisiert wird, treffen Vertreter mit anderer Sichtweise wahrscheinlich auf weniger Toleranz.
Je "unschöner" Forumsbeiträge in Wortwahl und Inhalt ausfallen, desto häufiger grübeln manche dann auch darüber, ob sie im "richtigen" Forum gelandet sind.
Auch Foren, in denen alle Menschen einer Hunderasse "verfallen" sind, können zur Plattform für Grundsatz-Konfrontationen werden, falls die selbst gestellte Aufklärungsaufgabe mit missionarischem Eifer verfolgt wird.
Wenn zum Beispiel ein Verband favorisiert und jeder fremde Züchter per se als "Vermehrer" gesehen wird, geraten einige User zwangsläufig in die Ecke der Ahnungslosen, die aufgeklärt und auf den rechten Weg geführt werden müssen... egal, ob sie das wollen und nötig haben oder auch nicht.
Hat die Mehrzahl der User das Aufklärungsdenken ausreichend verinnerlicht, werden die meisten sich auch nur entfernt bietenden Gelegenheiten genutzt, um über DAS Thema zu referieren.
Welpen-Tagebücher werden "auseinander genommen" und ein Teilaspekt rigoros abgelehnt. Das hindert den "Ankläger" auch nicht, später an ganz anderer Stelle in einem anderen Forum zu fragen, was andere Experten über diesen "Fehler"(?) denken.
Sorgen um einen erkrankten Hund können auch schnell zur Frage nach seiner Abstammung führen.
Zeitungsberichte über Missstände eines verbandsfremden Zwingers werden nicht hinterfragt und als trauriger Einzelfall wahrgenommen, sie dienen eher als Munition für neue Attacken. Immerhin lässt sich so die Richtigkeit der eigenen Überzeugung untermauern.
© Rena V. Gellert Frido
Leider sind die User, die die "Forumsmeinung" vertreten, nicht allzu sehr an dem persönlichen Hintergrund und den Motiven interessiert, die zu einer anderen, aber wohl-durchdachten und für die individuelle Situation richtigen Entscheidung geführt haben.
Auch wenn wenig eigene Bereitschaft zur Differenzierung vorhanden ist, präsentieren sich die Vertreter des "Mainstream-Denkens" selber noch lange nicht als eine homogene Gruppe.
Heftig ausgetragene Streit-Diskussionen mit gegenseitigen Anschuldigungen, Unterstellungen und verbalen Entgleisungen offenbaren dann auch immer mal wieder, dass sich auch die "1000-Prozentigen" nicht immer "100%-ig" einig sein können.
Sie demonstrieren damit sehr deutlich, wie sehr Menschen im Recht sind, die skeptisch und hellhörig werden und zu zweifeln beginnen, wenn für eine Gruppe von Menschen das Attribut "nur und immer gut" und für eine andere Gruppe von Menschen das gegenteilige Attribut "ausnahmslos und ewig schlecht" zutreffen soll.
Wer das "Mainstream-Denken" nicht vorbehaltlos teilt, muss für sich abwägen, ob er die eigene Meinung nach seinem Empfinden ausreichend darstellen kann und ob auf verbale und inhaltliche "Super-Ausfälle" anderer User ggf. mäßigend eingewirkt wird.
Danach wird jeder für sich entscheiden, ob es passt oder nicht.