Traurig

Ceddy

 

 

Auch ein interessierter Hundeliebhaber, der Bücher über Hunde-Gesundheit, Hundezucht und Genetik liest, der sich im Internet und in Fachzeitschriften informiert, weiß nicht wirklich, wie Hundezucht heute aussieht.

Einiges hört er von befreundeten Züchtern, aber die können ihm auch nur erzählen, wie sie ihre Hundezucht betreiben, mit ihren Zuchthunden leben und worauf sie besonders achten.

 

Auf bunten Homepages sieht man die schöne Seite des Lebens der Züchter und ihrer Hunde. Einen wirklichen Einblick hat der Laie damit jedoch nicht. Mehr erfahren kann der aufmerksame Leser, wenn er in Internetforen Diskussionen unter Züchtern verfolgt. Hier kann er erleben,welche unterschiedlichen Meinungen Züchter zu den verschiedensten Teilaspekten der Zucht haben.  

 

Oft ist es gerade der „Züchter-Streit“, der dem Laien viel Information zu dem bietet, was für einige Züchter Normalität zu sein scheint, für den Laien aber manchmal unschöne Details sind, die er den Hunde-Eltern seines möglichen Welpen nicht wünscht.

 

Stichworte wie „Co-Ownership“, die so manchem Deckrüden monatelange Wanderschaft und Deck-Tourneen im Ausland bescheren,„Zuchtmiete“, was bedeutet, dass die Hündin einen Teil der Trächtigkeit, dann die Geburt und Aufzucht der Welpen nicht in ihrem „Zuhause“ verbringt, sondern bei dem ihr – mehr oder minder – fremden oder vertrauten Züchter. Natürlich  gehört zu diesem Thema auch das Abgeben „ausgedienter Zucht-Hündinnen", für das der „nur“-Hunde-Liebhaber wenig Verständnis aufbringen wird.

 

In einer Diskussion habe ich einen Beitrag mit folgenden Konrad-Lorenz-Zitaten begonnen:

 

Die Treue eines Hundes ist ein kostbares Geschenk, das nicht minder bindende moralische Verpflichtungen auferlegt als die Freundschaft eines Menschen.

 

Der Bund mit einem treuen Hund ist so ewig, wie Bindungen zwischen Lebewesen dieser Erde überhaupt sein können.

 

Der Wunsch, ein Tier zu halten, entspringt einem uralten Grundmotiv - nämlich der Sehnsucht des Kulturmenschen nach dem verlorenen Paradies.

 

Mir wurde darauf entgegnet, dass ich bei der Wahl der Zitate in dem Diskussionszusammenhang nicht berücksichtige, dass ein Zuchthund nicht mit einem Liebhaber-Hund zu vergleichen sei.  

 

Die große Zahl der Hunde allein mache die Betreuung durch den Menschen anders und auch die Abgabe pensionierter Zucht-Hündinnen sei erforderlich, weil die Zahl der „Züchter-eigenen“ Hunde sonst zu groß würde.

 

Auf die folgenden Sätze meines Beitrags, der wohl die Meinung zahlreicher Liebhaber zum Ausdruck bringen dürfte, wurde in der Diskussion leider nicht geantwortet.

 

Aus meiner Sicht drücken diese Zitate eigentlich sehr deutlich aus, dass der Hund ein Wesen ist, das großen Respekt verdient.
Ich denke diesen Anspruch hat er in seiner Existenz als Hund.... egal was sein Mensch mit ihm vorhat!
 

 

Wenn ich Züchter wäre und würde an die Liebhaber - mit Recht! - hohe Anforderungen im Bezug auf die Haltung "meiner" Welpen stellen... ich glaube, ich könnte meinen eigenen Hunden nicht mit Überzeugung sagen, dass sie als  "Zuchthunde" andere Ansprüche haben.  

 

Natürlich kann jeder Züchter nur eine zu seinen Lebensbedingungen passende Anzahl an Hunden halten. Meine Konsequenz wäre dann aber nicht, schon vorhandene  abzugeben, sondern einfach weniger neue Hunde aufzunehmen oder  "zu produzieren ".

 

Wenn ich die Meinung vertrete, dass ein Zuchthund, der nicht mehr in der Zucht steht, abgegeben werden darf.... was denke ich, wenn der junge Agilityhund älter wird, seinen Herrn nicht mehr beim Turniersport begleiten kann und darum "weg" muss oder die schöne junge "Boulevard-Flanier-Hündin", die nicht mehr so attraktiv ist oder vielleicht nicht mehr der aktuellen Mode-Rasse entspricht, darf die dann auch ausgetauscht werden... vielleicht dann auch der Hund, der für die Jugendlichen als Freund angeschafft wurde, sobald die Kinder zum Studium ausziehen? usw. usw. usw.

Ich sehe da aus moralischer Sicht keinerlei Unterschied, das eine rechtfertigt oder entschuldigt es nicht mehr als das andere!  

 

Ich finde es einfach sehr, sehr traurig, wenn an die Bedürfnisse der Hunde tatsächlich zweierlei Maß gelegt werden soll.