Show
© Rena V. Gellert Molly
Wer sich wie ich viel mit dem Thema "Hund" und "Rassehund" beschäftigt, wird früher oder später auf das Thema "Ausstellungen" kommen, welche von allen Vereinen und allen Verbänden (egal unter welchem Dach) veranstaltet werden.
Ich bin bisher bei einer einzigen kleinen Ausstellung als Besucher gewesen, habe viele Ausstellungsfotos gesehen, Berichte über Ausstellungen gelesen und auch Videos von ganz großen und internationalen Ausstellungen gesehen. Ich bin also der absolute Laie und verwende hier sicher auch Begriffe, mit denen ich mich den Kennern auch als solcher zweifelsfrei zu erkennen gebe. Trotzdem mache ich mir über dieses Thema Gedanken und habe mir aus dem, was ich gesehen, gelesen und gehört habe oder auch nur vermute, eine Meinung gebildet.
Vielen Menschen macht es Spaß und auch die Hunde, die "natürlich" auftreten können, scheinen es zum Teil sehr zu genießen, sich stolz zu präsentieren und die volle Aufmerksamkeit aller Zuschauer auf sich gerichtet zu spüren.
Ich denke jetzt nicht an kleine Hunde, die für ein paar Minuten Ausstellung zu allen anderen Zeiten ihres aktiven Showlebens mit "Lockenwicklern" traktiert werden, damit sie im Ring ihre überlangen Haare in voller Schönheit präsentieren können.
Oder an traurige Bilder, die Hunde zeigen, die mit der Vorführleine um den Hals so hochgezogen werden, dass ihre Vorderläufe kaum noch den Boden berühren können und das - nachdem sie Ewigkeiten in kleinen Käfigen auf ihren großen Auftritt warten mussten.
Ich stelle mir jetzt auch nicht riesige überhitzte Hallen vor, in denen Hunde mit ihren Menschen ganze Sommer-Sonntagnachmittage verbringen und auf das Richten warten, nachdem sie stundenlang im Auto - womöglich ohne Klimaanlage - zum Ausstellungsort gefahren wurden. Denn dabei denke ich, dass Hunde - würden sie gefragt, ob sie DAS wirklich SO möchten - sicher ganz anders entschieden als ihre ehrgeizigen Halter.
Ich bin mir sicher, dass es diese "Auswüchse" gibt, auch wenn sie die traurige Ausnahme sein mögen, von Aktiven bedauert werden und Veranstalter daran arbeiten, diese Missstände zu beheben oder gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Ich wünsche allen, die das Ausstellen lieben und die dabei auf die Bedürfnisse der Hunde achten, dass sie viel Spaß an der gemeinsamen Aktivität haben.
Trotzdem ist es nicht "meine Welt"!
Auch als ich noch "jung und schön" war, habe ich schließlich selber nicht an Schönheitskonkurrenzen oder Miss-Wahlen teilgenommen. Ich kann mir für mich einfach nicht vorstellen, ernsthaft mit einem meiner Hunde an der Leine vor einem Richter im Kreis zu laufen.
Weil meine Hunde für mich ohnehin die schönsten, größten, liebsten und besten sind, brauche ich keine Bestätigung durch einen Pokal oder eine Siegerurkunde... mehr lieben könnte ich sie wegen irgendwelcher Titel nicht und auch bei einem "letzten" Platz würde ich für sie nicht anders empfinden können.
© Rena V. Gellert Frido und Molly
Neben diesem Emotionalen habe ich persönlich allerdings auch Zweifel an einer wirklich "objektiven Aussagekraft" der Ergebnisse.
Auch bei einem eng gefassten Standard bleibt wohl Raum einer individuellen Bewertung, die von dem Schönheitsideal geprägt sein wird, das der jeweilige Richter natürlicher Weise von dieser Hunderasse hat.
Ein Hund, der ganz offensichtlich hochtypisch für seine Rasse ist, sich auch freudig präsentieren kann und dazu noch "auf dem Tisch" durch sein aufgeschlossenes Verhalten Sympathiepunkte sammelt, wird wohl immer und bei jedem Richter DER Sieger sein.
Wie viele solcher eindeutigen Siegertypen gibt es wohl?
Ich lese Berichte über so unterschiedliche Bewertungen eines einzelnen Hundes, die sich für mich als Laien kaum durch eine gute oder schlechte "Tagesform" erklären lassen können.
Meine Überlegung wird nicht abwegig sein, dass Insider das Melden für einen Wettbewerb auch mit davon abhängig machen, ob ihr Hund nun gerade DIE Merkmale zeigt, für die der "eingeteilte" Richter bekannter Maßen eine besondere Vorliebe hat.
Der angestrebte Champion-Titel könnte dem Hund doch auch ein paar Monate später von einem Richter zugeteilt werden, der etwas andere Bewertungskriterien anlegt und dessen Idealvorstellung der eigene Hund eher verkörpert.
Wenn ein Hund mit Angabe eines Champion-Titels vorgestellt wird, würde mich darum auch einmal eine Auflistung all seiner Wettbewerbs-Teilnahmen mit Angabe des jeweiligen "Abschneidens" interessieren.
Oft habe ich schon gehört, dass es begnadete "Vorführer" gibt. Schon frage ich mich, ob bei einer Ausstellung das "Mensch-Hund-Team" oder das besondere Talent des Menschen mit bewertet wird und ob die Platzierung des Hundes mit einem anderen Vorführer ganz anders ausgesehen hätte. Inwieweit spielen auch Sympathie oder Abneigung zwischen Vorführer und Richter eine Rolle?
Zu wie viel Prozent ist das Ergebnis dann noch vom Hund selber abhängig?
Neben dem "Spaß an der Freude", den auch die Liebhaber bei Ausstellungen suchen und finden können (wer würde sonst mehrfach an Ausstellungen teilnehmen?), wird von idealistischen Züchtern sicher auch eine Anerkennung ihrer züchterischen Leistung erhofft.
Fotos, die von Hunden mit vielen Siegertiteln und Auszeichnungen veröffentlicht werden, erhöhen natürlich den Bekanntheitsgrad des Züchters. Viele Championtitel der Ahnen im Stammbaum eines Welpen werden auch so manchen Welpeninteressenten überzeugen können und somit verkaufsfördernd wirken.
Ceddy
Irgendwie ist es nicht meine Welt und für mich als Laien nicht wirklich durchschaubar... diese für den unbeteiligten Zuschauer seltsame Mischung aus Spaß-haben-wollen, seine-eigenen-Züchterqualitäten-prüfen-wollen und auch aus persönlicher Eitelkeit, großem Ehrgeiz und wohl Geschäftsinteresse.
Ein ganz anderes Thema ist die Frage, was so ein Titel überhaupt über einen Hund aussagt. Top bewertet wird ein Hund, der äußerlich dem Standard sehr nahe kommt... ist das aber auch eine Garantie für Gesundheit und einen liebenswerten Charakter?